Coho-Hafen, Victoria/ BC am 27. September 2016
Hobuck Bay, RV-Park Makah Tribe, Olympic National Park am 28. September 2016
Das Ablegen der Coho-Fähre eröffnete dann die Möglichkeit einige Fotos des äußeren Hafens und der Umgebung zu machen.
Um 10:30 Uhr legte die Fähre in Richtung Port Angeles/ Washington ab. Die Norwegian Pearl, ein riesiges Passagierschiff lag an der Kreuzfahrt-Pier. Bei Sonnenschein und 15° Lufttemperatur durchquerten wir die Juan de Fuca Strait.
Ein paar Seemeilen vor der Küste des Olympic Parks umfing uns dichter Nebel, welcher sich kurz vor dem Anlegen in Port Angeles lichtete. Um 12:30 Uhr verließ ich den Hafen und fuhr westwärts in Richtung Neah Bay. In Joyce hielt ich an einer Tankstelle mit Grocery-Store, wo ich meine Vorräte ergänzte. Der Store und das danebenliegende Museum versetzten mich in die Zeit um 1900 zurück. Das Sortiment war umfassend und die Regale des kleinen Ladens entsprechend vollgestopft. Ich wußte von einem Gratis-Campground am Lyre Creek, welchen ich nach einer kurzen Fahrt über eine Naturstraße erreichte. Er war sehr schön gelegen, doch leider war es noch zu früh am Tag, um sich über das Nachtlager Gedanken zu machen.
Beim Auf und Ab auf der gut ausgebauten Straße tauchten wir in Küstennähe immer wieder in dichte Nebelschwaden. Die Wälder hatten auch hier einen dichten Moosbehang und glichen denen Vancouver Islands.
Die Straße an der Neah Bay war gesäumt von Hütten und Häuschen, welche sich mit Strandholz und Muscheln oder geschnitzten Skulpturen schmückten. Schade, daß das Wetter nicht besser war! Ich fuhr südwestlich weiter und verzichtete darauf Cape Flattery, dem westlichsten Punkt des Staates Washington, einen Besuch abzustatten. An einem First Nations Museum hielt ich an, um mir einen Daypass für das Campen in dem Territorium des Makah Tribes(Stammes) zu besorgen. Hier erkundigte ich mich nach einem schönen Campingplatz in der Nähe. Man empfahl mir den Hobuck Beach RV-Park. Dort angekommen, war das Office bereits geschlossen, sodass ich meine Platzgebühr in einem bereitliegenden Kuvert im Briefkasten versenkte. Von meinem Platz zum Strand waren es 50 Meter Fußweg durch einen kleinen Pinienwald. Nach dem Erkunden eines Teils des kilometerlangen Sandstrandes machte ich mich an das Kochen für das Abendessen (Hackbraten mit Salzkartoffeln).
Der ereignisreichen Tag, welcher ja den Abschied von Kanada und den Auftakt zum Erkunden der United States einschloß, fand um 22:00 Uhr sein Ende.
Am nächsten Morgen verschlief ich um eine Stunde. Um 10:30 Uhr hatte ich meinen Kram zusammengepackt und mein vorläufiges Ziel den Ozette Lake ausgesucht.
Es ging auf der gleichen Straße zurück – nur jetzt bei Sonnenschein und nebelfreiem Küstenstreifen. Später wollte ich in Port Angeles einen Getriebespezialisten aufsuchen und abklären, ob eine Reparatur möglich wäre und was das kosten sollte. Nach der Abfahrt zum besagten See hielt ich an einer Informationstafel und studierte das Freizeitangebot. Zwischenzeitlich hatte eine junge Frau aus Oregon angehalten und sich neben mich gestellt. Ich fragte sie, ob ich wohl an der Rangerstation einen National Park Jahrespass bekommen würde. Sie wollte auch dorthin, war sich aber nicht sicher, ob nicht die Saison schon vorüber war. Da ich früh dran war fuhr ich über die waldreiche Bergstraße zum See. Das Ranger-Office war geschlossen. Bei schönem Wetter setzte ich mich auf eine sonnige Parkbank und begann mit einem weiteren Beitrag für S’Gritli goes America. Nach einer Stunde Aufenthalt bei Kaffee und Cookies fuhr ich zurück zum Highway 101 und hielt erneut an der Gas Station in Joyce. Die Verkäuferin begrüßte mich schon wie einen Bekannten und schaltete mir die Dieseltanksäule frei. Nach dem Tanken machte ich noch ein paar Einkäufe und fuhr nach Port Angeles. Ich erkundigte mich an einer Tankstelle nach einem Reparaturbetrieb für mein Getriebe. Man empfahl mir einen Toyota-Händler, welcher auf europäische Fahrzeuge spezialisiert war. Kurz vor Feierabend traf ich dort ein und schilderte mein Problem. Man sagte mir, daß man leider nur Fahrzeugteile auswechseln würde, für eine Getriebereparatur aber nicht eingerichtet war. Man empfahl mir die Firma BT Transmission, deren Firmenschild ich auf dem Highway schon gesehen hatte. Der Toyota-Serviceleiter bot mir an, dort anzurufen und meinen Besuch anzukündigen, damit auch sicher noch jemand dort wäre. Ich fuhr gleich los. Man erwartete mich schon und Darren, der Inhaber, machte mit mir eine Probefahrt. Auch er hatte Bedenken, daß die Synchronisation des 3. und 4. Ganges beschädigt wäre. Ich sollte morgen gegen 9 nochmals vorbeikommen. Bis dahin wollte er anhand der Chassisnummer den Getriebetyp herausgefunden haben und könnte Aussagen zu einer eventuell möglichen Reparatur machen. Zum Übernachten empfahl er mir den KOA-RV Park 5 Kilometer weiter östlich. Dort angekommen, besorgte ich mir bei der Anmeldung einen Bund Feuerholz, um am Abend zu den übrigen Kartoffeln ein schönes Steak am Campfire zu grillen. Es wurde bereits dunkel und kalt, als mein Grillrost auf Temperatur war.
Um 22:30 Uhr lag ich in der Koje, zufrieden mit dem Tag an dem sich so einiges geklärt hatte: der Himmel, der Küstennebel und der Zustand von Gritlis Getriebe.
Sie zeigte sich familiär und entspannt und von der Busstation beim Inner Harbour aus war man mit ein paar Schritten im Zentrum. Das riesige Geschäftsgebäude der Hudson Bay Company ist heute an Banken und Anwaltskanzleien untervermietet. An schönen Kneipen und Geschäften vorbei gelangte ich zum Touristenhafen, wo man Flüge mit Wasserflugzeugen, Hafenrundfahrten oder Whale-Watching-Safaris buchen konnte. Die Stadtrundfahrten machte man mit dem traditionellen, britischen Doppelstockbus mit „Open Top“. Ich begnügte mich mit dem Einkauf von Postkarten und ein paar Souvenirs. Gegen Mittag ging ich zurück zu dem schönen Irish Pub, der mich am Vormittag mit seinen schönen Bleifenstern beeindruckt hatte. Hier setzte ich mich auf die Straßenterrasse und bestellte ein „Pint of Guinness“ und das Menu. In der Sonne sitzend genoß ich den Fußgängerverkehr, den ich komplett relaxed empfand. Die Leute hielten an Straßenständen für einen Smalltalk, ohne auch nur irgendeinen Druck zu verspüren, etwas kaufen zu müssen. Ein Straßenmusikant spielte professionell Countrymusik und ich verweilte für ein paar Songs, um ihm dann ein paar Münzen in den Gitarrenkoffer zu legen.
Ich ging weiter über die Hängebrücke zum Park eines großen Hotels, wo ich auf einer Bank dem Hafengetriebe zusah. Die Coho-Fähre nach Port Angeles/Washington lief ein – diese wollte ich morgen erreichen, um nach 14 Wochen in Kanada in die USA zu wechseln. Aber zuvor mußte ich Nissan of Duncan erreichen, um einen weiteren Termin zu vereinbaren. Mit diesen Gedanken ging ich zurück zur Bushaltestelle. Nach Kochen und Abwasch wollte ich noch ein paar Sachen am Internet recherchieren. Das Einloggen funktionierte nicht. Ich klopfte bei den Nachbarn, Claudia und Pinky(hoffentlich habe ich mir das richtig gemerkt) aus Hamburg und fragte nach, ob das Login gewechselt hätte. Sie hatten auch keine Verbindung und so verabredeten wir uns zu einem Klönschnack bei einer Tasse Tee an meiner Tischbank. Sie hatten meine Freunde aus Dippoldiswalde in Nanaimo kennengelernt und schon erfahren, wie toll der Juan de Fuca Trail sei. Es wurde ein schöner, entspannter Abend. Zum Abschied schenkten sie mir noch ihre feine Duftkerze. Danke.
Die Zollformalitäten am nächsten Morgen waren bald erledigt und um 10 Uhr 30 stachen wir in Richtung Port Angeles/Washington in See.
Als ich am Strand, auf einem angeschwemmten Baumstamm die Wärme genoß, kam Thomas mit der kleinen Mathilda herüber. Die Kleine hatte schon ein strahlendes Lächeln aufgesetzt. Sie war überhaupt ein sonniges Kind, was sie in den folgenden Tagen noch unter Beweis stellen sollte. Nachdem die 4 gefrühstückt hatten, machten sich Thomas und ich an die Inspektion der Kupplung. Thomas überprüfte nochmals auf Undichtigkeit; doch alles schien okay. Er entlüftete dann das Hydrauliksystem nochmals und nach der Probefahrt ging das Schalten schon merklich besser. Meine Bedenken waren nicht vollständig ausgeräumt, obwohl Thomas das Kratzen als unbedeutend einstufte. Thomas, Ruth und Constanze wollten die nächsten 3 Tage auf den Juan de Fuca Trail und luden mich ein mitzukommen. Eigentlich wollte ich zurück nach Duncan zu Nissan, aber da es nach wie vor kein Telefonnetz gab, sagte ich zu. Den weiteren Tag nutzte ich zum Aufräumen und Block schreiben. Am Nachmittag fingen Ruth und Constanze an, ihre Rücksäcke zu packen. Ich war mir noch nicht sicher und wartete ab. Ich hatte aber schon zugesagt, sie die 23 km zum Ausgangspunkt, der Sondrio-Beach zu fahren. Thomas hakte dann nochmal nach. Ich hatte kein Zelt und keine Isomatte für die Übernachtungen. Keine Chance – 2 Zelte waren vorhanden und eine Isomatte hatten sie übrig. Ich gab mir den entscheidenden Ruck und holte meinen Rucksack hervor, um zu packen. Den Abend verbrachten wir am Lagerfeuer und erzählten aus unserem Leben.
Thomas und Ruth hatten 10 Jahre in Malawi gelebt; vor 16 Monaten war dann Mathilda zur Welt gekommen. Irgendwie hatten sie genug von Afrika. Das ewige Abschließen, Sichern des Eigentums, nervte doch sehr. Thomas hatte als Optiker bei einem Deutschen in Malawi und Südafrika gearbeitet und folgte nun dem Ruf des Vaters nach Dippoldiswalde. Constanze, die Schwester, war froh um die Entlastung, da sie im Moment die Verantwortung für das Optikfachgeschäft mit ihren Eltern teilte und diese schon im Rentenalter waren. Wir saßen noch lange, bevor wir schlafen gingen. Am nächsten Morgen brachte Thomas sein gelbes, rauchendes Ungetüm auf den Betriebshof der gegenüberliegenden Forstwirtschaft.
Die beiden Frauen mit Mathilda und den Rucksäcken nahmen im Gritli Platz. Thomas stieg dann zu und so ging es über die Straße zurück, über die ich 2 Tage vorher hergekommen war. Die Zufahrt zum Parkplatz über der Sondrio-Beach war übersät mit badwannengroßen Schlaglöchern. Ich wartete auf ein Protestklopfen. Es blieb aus, und so holperten wir schließlich auf den Parkplatz. Die Damen waren doch etwas derangiert, aber die Mienen heiterten sich bald wieder auf . Unterwegs zum Strand kamen mir Bedenken, ob die Beifahrertür abgeschlossen war. Um sicher zu gehen, lief ich nochmals zurück und tatsächlich war die Tür offen.





Als ich am Beach ankam, machten wir uns auch gleich abmarschbereit. Thomas nahm Mathilda im Tragegestell auf den Rücken und hängte sich eine Tasche mit den 2 Zelten darunter; also reichlich Gepäck für einen Wanderer. Aber Thomas hatte Bärenkräfte und eine entsprechende Kondition. Wir hatten alle große Rucksäcke mit der persönlichen Ausrüstung und die Verpflegung war über uns 3 verteilt. Nach kurzem Anlauf zog Thomas, ein ehemaliger Gewichtheber, los. Nach 10 Minuten war aus unserem Blickfeld verschwunden. Dieser Startablauf sollte die weiteren Tage der gleiche bleiben. Ich kam schwer in Tritt und die beiden Frauen waren gut in Form. Aber nach einiger Zeit ging es ganz gut. Ich mach es kurz. Es war sehr anstrengend und unterwegs hatte jeder mal sein Flash. Das Wetter wechselte von anfänglich schön zu regnerisch am 2. Tag, und am 3. gab es von beidem etwas. Das Ansteigen über Wurzeln, das Waten durch Schlammpassagen, das Steigen über fussballgroße Strandkiesel und die Abstiege benötigten die volle Konzentration. Aber die Ankunft am Abend, das lodernde Lagerfeuer, das einfache aber gute Essen ließen einem die Plagen des Tages vergessen.
Das Wildlife beschränkte sich auf Vögel, ein paar Seehunde und eine Ratte, oder gar Größeres außerhalb des Zeltes. Aber wir sahen Buckelwale und diesmal sogar mit Flossenschlag. Vom Strand aus feuerten wir sie an mit AAAs und OOOs und hatten unsere Gaudi. An der Cheena Beach nach 3 Supertagen angekommen, hatten wir wohl alle genug von der Plackerei, auch Thomas. Das Erreichen des Parkplatzes und das Holen vom Gritli gab dann nochmal zu tun. Aber im Endeffekt waren das Peanuts. Zurück an der Golden Bay machten wir uns ein letztes, gemeinsames Abendessen. Später kam noch der sympathische Stefan aus Zürich dazu, der am nächsten Tag zurück in die Schweiz mußte. Anschließend war jeder froh wieder in einem rechten Bett zu schlafen.
Als dann der Abschied kam, umarmte er mich freundschaftlich und wünschte mir alles Gute für die weitere Reise. Für das Material nahm er keinen Cent. Ich hatte wieder einen Menschen getroffen, der mir selbstlos seine Hilfe und Freundschaft zukommen ließ.
Hier hielt ich an und fragte Thomas, dem das Teil gehörte, ob er Netz hätte. Er meinte, er hätte nicht mal ein Handy. Nachdem er mein Problem kannte, bot er an, sich die Sache am nächsten Tag mal anzuschauen. So lernte ich Thomas, Ruth, Constanze und Mathilda, das 16 Monate alte Töchterchen kennen. Ich fand einen schöne Platz und kehrte später mit ein paar Dosen Bier zu Dresdnern zurück. Das Mobil war super gemütlich eingerichtet. Bald verabschiedete ich mich, da ich für diesen Tag genug erlebt hatte.
Weiter ging es Richtung Wittys Lagoon, wo ich eine 5 km lange Wanderung durch den Regenwald entlang der Lagune zum Sandstrand an der Juan de Fuca Strait machte.
Anschließend fuhr ich noch bis Sooke, wo ich dann umdrehte, um am Highway 1 den Bamberton Provincial Park aufzusuchen, welchen ich schon auf der Herfahrt ausgesucht hatte. Zuvor besuchte ich 2 schöne Ausblickbuchten mit tollem Blick auf die Swartz Bay. Über eben dieser Swartz Bay war auch der Bamberton Provincial Park gelegen. Nachdem ich S’Gritli aufgestellt und mich am Eingang registriert hatte, ging ich den steilen Kilometer hinunter zum Strand, um eine andere Perspektive zu genießen.
Der Rückweg war anstrengend, hatte sich aber wirklich gelohnt. Nach dem Abendessen ließ ich den Tag ausklingen.
Außerdem war ich noch etwas müde und hatte keine Lust heute noch weit zu fahren. Am Wegweiser nach Crofton fiel mir ein, daß mir das Heinz als Alternative zum Cowichan Lake genannt hatte. Also bog ich in diese Richtung ab und fand mich an der Fähre in Osborne wieder.
Ich parkte S’Gritli am Hafen und machte einen Spaziergang am Uferweg. Dieser führte an einem RV-Park vorbei für den ich mich kurzerhand entschied. Im örtlichen Lädeli kaufte ich mir nötige Vorräte ein. Im Campoffice buchte ich dann einen Stellplatz für eine Nacht unten am Ufer.
Ich erinnerte mich, daß ich im Reiseführer etwas von „touristisch unerschlossen und verschlafen“ gelesen hatte. Gerade das reizte mich an der Sache; heraus zu bekommen wie es dort wirklich war. Auf dem 1. Rastplatz, gleich vor dem Fährhafen, setzte ich mich in die Sonne an einen Pikniktisch und sah noch mal nach. In dem Moment erreichte mich eine SMS von Heinz. Sie waren am Mount Washington und wollten eine Bergwanderung machen, hatten aber plötzlich keine Lust mehr und fragten, wo ich denn sei. Ich sagte ihnen, daß ich auf dem Rastplatz war und auf Denman Island wollte. Auf die Frage, was es da Interessantes gäbe, antwortete ich: Ruhe, Erholung, 1 Provincial-Park, Sonne und Schiffchenfahren. 30 Minuten später waren sie da und nach einigen Einkäufen in dem Grocery Store der Tankstelle, ging’s auf die Drahtseilfähre. Wir fuhren zuerst mal über die Insel in Richtung der Fähre nach Hornby. Das war hier ja ein richtiges Künstlerrefugium. Fast jedes Haus hatte Skulpturen im Garten. Die anderen hatten eine Schild mit „Galerie“ oder „Ausstellung“ an der Hofeinfahrt. Der Provincial Park lag sehr schön an einem langen Kiesstrand mit Treibholz und hinter den Parkbuchten war ein märchenhafter Wald mit altem Baumbestand.


Diesen Abend gaben wir noch einmal alles, was unsere Kochkunst und die Kühltruhe so zu bieten hatte. Nun war es ja endgültig, daß es das letzte Mal sein würde. Ingrid und Heinz wollten am nächsten Tag die Fähre zurück aufs Festland nehmen und an der Küste entlang nach Vancouver fahren, um ihren Truckcamper abzugeben.

Die Nacht war ruhig und ich schlief gut. Den Wecker hatte ich auf sieben Uhr gestellt, da man um 08:30 vorort sein mußte und ich S’Gritli noch auf den Besucher-Parkplatz stellen mußte.
Die Tour sollte 3 Stunden dauern, das Wetter war okay. Es regnete, aber in den Regenwäldern und an der Küste muß man damit rechnen. Der Skipper war ein launiger Typ, der uns auf das bevorstehende Ereignis mit Humor und Engagement einstimmte. Außer ihm gehörten noch 2 Biologiestudentinnen aus Vancouver zur Crew. Nach einer Weile, die Klamotten waren schon naß und klamm, hatten wir die vorgelagerten, kleinen Inseln erreicht.
Als wir an ihnen vorbei waren, sahen wir auch die ersten Killerwale(Orcas). Oftmals waren es 5-7 köpfige Familien, die von dem jeweiligen Muttertier angeführt wurden. Die Mamas hatten eine bis zu einem Meter lange Rückenfinne und waren gut zu erkennen.
Als wir weitere Inseln passierten, sahen wir diverse Seelöwen-Gruppen, welche sich trotz Regen, auf den Felsen ausruhten. Naja, naß ist naß, ob an Land oder im Wasser.
Wir fuhren zwischen 2 Felsen hindurch in tieferes Wasser, als ich beim Blick zurück die Rückenfinne zweier großer Orcas erblickten, welche uns folgten. Sie waren schon ziemlich nahe, als sie tauchten und unter dem Boot durchschwammen.
Eine halbe Stunde später sahen wir den ersten Buckelwal(Humpback).
Diese Tiere werden bis zu 40 Meter lang und sind an ihrer Schwanzflosse zu identifizieren. 5 oder 6 Tiere sichteten wir – leider nie eine Schwanzflosse, welche den Tauchgang einleitet. Anscheinend schwammen sie an der Oberfläche und blieben ruhig und unbeeindruckt in Bootsnähe. Daß wir so viele Tiere sahen – von den 4 Seeadlern habe ich noch gar nicht erzählt – ist außergewöhnlich.
Ich habe von Leuten gehört, welche in Tofino auf Wal-Tour waren und gar kein Glück hatten. Meist wird von den Organisatoren dann angeboten auf der nächsten Tour mitzufahren, um wenigstens einen kleinen Erfolg möglich zu machen. Diese 3 Stunden waren unbeschreiblich und jedes Auftauchen eines Tieres war ein schönes Glücksgefühl. Dankbar für diesen Vormittag konnte ich mich nicht einfach auf den Rückweg machen, sondern genoß an einem Imbiss auf der Pfahlterrasse erstmal ein gutes Fish ’n Chips. Als ich zurück auf dem Highway ankam, fuhr ich rechts nach Port Hardy um zu tanken.
Port Hardy ist ein Fischer- und Fährhafen, hat einige Hotels und Motels, aber das Wetter war nicht zum Flanieren gemacht. So machte ich mich endgültig auf den Weg zurück in Richtung Campbell River. Ungefähr 30 Kilometer vorher traf ich auf das Schild „Elk River Campground“. Ich bog links in die unbefestigte Logger-Road(Holztransportstraße) und fand ein lauschiges Plätzchen am Bach. Feuerstelle und Restroom waren vorhanden und an einer Tanne hing ein freundliches, handgemaltes „Welcome“ – Schild.
Mit Mühe konnte ich bei der Nässe ein Campfire entfachen, um meine Steaks zu grillen. Schon bald wurde es dunkel. Nach dem ereignisreichen Tag schlief ich ein, kaum daß ich mich hingelegt hatte.
Ich kaufte Schokolade und Snacks. Fleisch gab es hier keines, aber man schickte mich zum Coop weiter. Auf dem Weg dahin, kamen mir Heinz und Ingrid entgegen. Nach einem kühlen Bier vor einem Restaurant begleiteten sie mich bei den Einkäufen. Super – so mußte ich die Tüten nicht zurückschleppen. Ich hatte 8 Steaks eingekauft und mit den restlichen Nudeln von gestern einen Salat zubereitet. Es wurde wieder spät, aber noch gemütlicher, da meine deutschen Nachbarn dabei waren. Heinz sorgte für ein warmes Feuer und die Steaks reichten auch noch für die Augsburger Studenten Daniel und Marvin, die ihrerseits Besuch von 2 jungen Schweizerinnen hatten. Für morgen hatten wir verabredet, den Wild Pacific Trail zusammen zu erkunden, da Heinz und Ingrid gestern ein Ersatzprogramm durchgeführt hatten. Das Wetter war schön, und da wir den Trail vom anderen Ende begannen, öffneten sich neue Perspektiven.
Wir waren 3 Stunden unterwegs und am Ende froh wieder an den Pickups zu sein. Von dort fuhren wir zum Mittagessen in den Ort zurück. Hier besprachen wir das weitere Vorgehen. Wir wollten uns einen Forestcampground an der Strecke suchen, um einen weiteren Abend am Campfire zusammen zu genießen. Wir hatten von früheren Reisen Interessantes zu berichten und das hätte wohl noch manchen Abend gefüllt. Nach 3 ausgefüllten Tagen hatte ich einen guten Schlaf und machte mich früh für die Weiterfahrt zum Cathedral Cove fertig. Am Platz traf ich noch einen Local, welcher endlich mal ein Fahrzeug in meiner Größe hatte. Er gab mir auch den Tip für einen Übernachtungsplatz am Elk River in der Nähe von Campbell River. Nach dem Besuch der Baumriesen und der Qualicum Waterfalls gingen wir aber noch auf einen zweiten Kaffee zu Starbucks in Port Alberni.


Nach dem Email-Check konnte ich mit dem Handy von Heinz bei Mum anrufen. Damit hatte sie nicht gerechnet und die Freude war entsprechend groß. Nun hieß es Abschied nehmen von meinen Freunden. Sie wollten nach Port Renfrew an die Juan de Fuca Strait und anschließend eventuell wieder zurück aufs Festland.
Etwas oberhalb des Sandstrandes schaute ich bei Kaffee und Brownies einem Raubvogel beim Fischfang zu.
Am rechten Rand der Bucht waren schöne kleine Häuser mit Zugang zum Wasser aufgestellt. Vorgelagert sah ich 2 bewaldete Inseln, welche ich später aus anderer Perpesktive auf dem Wild Pacific Trail wiedererkennen sollte. Nach meinem zweiten Zmorge fuhr ich zurück zur Straße und folgte den Hinweisschildern zum „Lighthouse“(Leuchtturm). Ich fand ein Parklücke für S’Gritli und machte mich auf den felsigen Anfang des Trails. Das Wetter war regenwäldlerisch feucht und neblig. Aber schon der Weg durch die Felsen hin zu dem eigentlichen Wanderpfad beim Tuten des Nebelhorns machte Lust auf mehr.
Über einen schönen Aussichtplatz mit Sitzbank gelangte ich in den Regenwald. Etwa eine Stunde war ich unterwegs und genoss immer wieder die Sicht auf die gischtumschäumten, felsigen Wellenbrecher und die skurrilen, moosbewachsenen Baumriesen. -etwas Rosamunde Pichler gefällig??-
Zurück am Parkplatz und auch schon unterwegs hatten wir uns über die Panamericana unser gemeinsames Vorhaben unterhalten. Jonas hatte für den neuen VW-Bus mit dem Camper X – System einen tollen Ausbau entwickelt, welchen er auch bereits erfolgreich verkaufte. Sogar in dem Maße, daß er mittlerweile gezwungen war, sich über Ausbau oder Verkleinerung seines Geschäftes Gedanken zu machen. Beide luden mich zum gemeinsamen Nudelessen vor ihrem Panamericana-Camper X ein. Nach anschließendem Adressentausch und Abschied verließ ich die beiden sympathischen Schweizer, um auf dem Weg nach Tofino den Cathedral Cove zu bestaunen. Schon nach wenigen Kilometern erreichte ich den Märchenwald. Hier standen bis zu 700-jährige Douglas-Firs(Douglasien) mit einem Durchmesser bis zu zweieinhalb Metern und bestimmt vierzig Metern Höhe auf beiden Seiten des Highways. Für die Esotheriker unter uns: Bäume umarmen – ist nicht – streicheln geht! Die kleineren, dazwischen stehenden waren mit dichtem Moos bewachsen – überall triefte und tropfte es. Da ich auch hierher nochmals zurückkehrte, zeige ich Fotos dazu in einem späteren Beitrag. Spannend – gell? Über bergiges Terrain und kurviges Gelände ging es vorbei am Kennedy Lake und Baustellen mit Gravel Road, bis die „4“ dann an der Pazifikküste auf die Querverbindung zwischen Ucluelet und Tofino traf. Ich wählte das Zweite als Endziel, erkundete aber unterwegs noch einige Strände des Long Beach sowie den Radar Hill, bevor ich in dem lebhaften Tofino auf Touri-Runde ging.
Der Hippie-Treffpunkt der 70er Jahre ist heute wirklich ein schönes Städtchen, allerdings an diesem Tag etwas überlaufen. Aber ich fand einen kleinen Park, wo man, in der Sonne sitzend, weit über die Bucht sah. Es gab Fähren, Segelboote und Kajaks zu bestaunen – auch konnte ich einem Wasserflugzeug bei der Landung zuschauen. Bei einem sehr guten Fish’n Chips beschloß ich, die Nacht auf einem örtlichen RV Park zu verbringen. Schon bei der Ankunft an der Küste hatte es genieselt, dies stellte sich auch am Abend auf dem Bella Pacifica RV Park wieder ein.
Nach einer Stranderkundung und einem Gespräch mit zwei jungen Schweizern aus dem Wallis fand der Tag sein Ende.