Am Donnerstag, den 20. Oktober genügte mir auf dem Grizzly-Creek Redwood Forestcampground im kalifornischen Calotta ein einfaches Kaffee+Toast-Frühstück. Mein Weg sollte mich an die kalifornische Pazifikküste zurückbringen. Durch weitere Redwood-Wälder fuhr ich meinem GPS-Ziel Ferndale/ CA entgegen. Ferndale ist ein schönes viktorianisches Städtchen – hier schien die Zeit still zu stehen. Es gab zwar am Ortsrand einen modernen Supermarkt, aber im Ortskern waren hinter den schmucken Fassaden traditionelle Geschäfte eingerichtet. Hier bekam der Herr einen Tweed-Sweater, oder die Dame einen Strohhut mit farbigem Band. Von hier führte ein schmales, steil ansteigendes Sträßchen nach Petrolia. Dieses war zwar geteert, aber die Oberfläche glich einem schwarzen Flickenteppich, da man die Frostlöcher immer wieder mit einer Schippe Teer geschlossen hatte. Petrolia lag auf einer Hochebene mit fantastischer Sicht zum Pazifik und bestand aus mehreren, weit auseinander liegenden Rinderfarmen.


Hier hatte die Holsteinkuh ein neues Zuhause gefunden. Die Rinder weideten auf nicht eingezäuntem Präriegrasland und schienen ein glückliches Leben zu führen. Gegen Mittag lichtete sich der Hochnebel und nach anderthalb Stunden war strahlend blauer Himmel zu sehen. Als ich mich an einem Aussichtspunkt umdrehte und ins Land zurücksah, fühlte ich mich auf eine Schwarzwaldhöhe versetzt.
Hier gab es weitläufige Almen, umrahmt von bewaldeten Hängen. Je näher ich dem Abstieg zur Küste kam, um so dürrer und verbrannter war das Gras.
Als ich nach der Talfahrt an der Küstenstraße ankam, suchte ich mir einen schönen Platz am Strand. Mein Mittagessen bestand mal wieder aus Kaffee und Cookies, welches ich allerdings mit Blick aufs Meer genießen konnte.

Diesen Nationalpark hatte man nach Alexander von Humboldt benannt. Nicht nur der Name des Parks sondern auch die Namen der Ranches hatten deutschen Ursprung, sodaß schon etwas Heimatgefühl aufkam.

Kurz nach Honeydew traf ich auf den Landcruiser einer jungen Amerikanerin, die von ihrem eigenen Hinterrad überholt worden war. Ein Fahrzeug hatte schon zum Helfen angehalten. Dessen Fahrer fragte mich nach einem Highjack; ich konnte aber nur mit meinem Airjack aushelfen. Der Highjack ist ein Wagenheber mit langem Hebelarm und Lochschiene, der bis zu einer Arbeitshöhe von 70cm arbeitet. Die Dinger sind 1.30m lang und mit Zubehör bis 30kg schwer. Deshalb hatte ich darauf verzichtet und mir einen Airjack angeschafft. Das ist ein Luftkissen, welches sich am Auspuff des laufenden Fahrzeugs aufbläst und 4.5 to heben kann. Leider passte die Aufnahme des Luftschlauches nicht richtig auf das Auspuffende, da dieses abgeschrägt war. Aber zusammen mit meinem kleinen Reifenfüllkompressor und dem Standardwagenheber des Toyotas konnten wir das abgefallene Rad wieder notdürftig montieren. Als der Wagen in der Einfahrt des nächstgelegenen Bauernhofes stand, kam der herbeigerufene Freund der Fahrerin dazu.
Sie hatte mir schon erzählt, daß ihr Freund Deutscher wäre und dieser sich freuen würde, einen Landsmann zu treffen. Als er zu mir kam, redete er einen Satz in astreinem Hochdeutsch und dann nur noch englisch. Er machte keinen Finger krumm – ich dachte noch: „Beschdimmd hed des Bacheli bim ledschde Radwägsl dBolze ueberdraiht“. Er und auch seine Freundin hatten keine Zeit für ein Dankeschön. Dies erhielt ich aber von ihren zwei Helfern.
Ich hoffe, daß ihr beim Lesen meines Beitragstitels nicht auf die Idee gekommen seid, ich hätte selbst ein Rad ab, oder wäre auf meine alten Tage noch Michael Holm-Fan geworden – NEIN…Der Titel passte einfach zur Tagesstrecke.
Meine Weiterfahrt führte über zwei steile, fast autofreie Pässe in den Humboldt-Redwood Park.

S’Gritli war in Topform und bügelte die Straße glatt. Dann erreichte ich wieder den Highway 101. Hier bog ich ab nach Legget-Redwood.

Die Attraktion von Legget ist der Chandelier Tree, der berühmte Baum, durch den man mit dem Auto fahren kann. S’Gritli mußte allerdings kurz vor dem „Drive Through“ die Umleitung nehmen. 
Als wir Legget verlassen hatten, fand Carmen ein steiles, kleines gewundenes Sträßchen durch den Wald nach Rockport. Von dort ging’s weiter auf dem Highway 1 Richtung Westport. Nach wenigen Meilen bog ich ab zum Mendocino State Park.



Der Campground befand sich auf den Klippen oberhalb des anbrandenden Pazifik. Es wurde schon dunkel. Also richtete ich mich hurtig ein, um noch ein paar Spaghetti zu kochen. Außer den Nudeln mußte ich auch noch die Erlebnisses des Tages verdauen.
Landschaftlich und wettermäßig war die Tour hervorragend. Zufrieden war ich auch mit meiner Hilfsbereitschaft, wenn diese auch nur mäßig verdankt wurde.
















Danach ging es auf dem Redwood Highway durch den gleichnamigen State Park.

Dabei folgte mir ein Mietcamper, welcher in meiner Nähe parkte. Da es regnete, kochte ich mir einen Kaffee. Die Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Tochter aus Neu-Ulm, kamen zu einem Gespräch an S’Gritli. Sie hatten ihr Wohnmobil in Seattle übernommen und heute war ihre letzte Chance, die Redwood-Trees aus der Nähe zu sehen. Also nahmen sie den Hike bei Regen in Angriff, während ich meinen Kaffee und die Cookies genoß. Als sie zurückkamen waren sie etwas enttäuscht, ob des schlechten Wetters und hielten sich auch nicht länger auf. Ich nahm den Highway 299 kurz vor Eureka, um ins Trinity Valley zu kommen. Der Anstieg zum Horse Mountain hatte es in sich und ich ließ die Temperaturanzeige nicht aus dem Blick.
Talwärts fuhr ich über Willow Creek und die Burnt Ranch bis kurz vor Del Loma. An der Straße lag der Del Loma Forstcampground, welchen ich für die Übernachtung ansteuerte. Außer mir war ein 30 Fuß-Trailer mit großem Pickup-Truck auf dem Platz. Ich ließ einen Platz zwischen ihm und mir frei und brachte S’Gritli mit den Unterlegkeilen in die Waagrechte.
Dan, mein Nachbar kam kurze Zeit später mit Ticker, seinem Jagdhund, zur Begrüßung herüber. Mike war ein „Plumber“, das bedeutet, er war selbstständiger Blechner und Sanitärinstallateur. Er hatte aber sein Geschäft vor einem Jahr verkauft und bediente nur noch seine ältere Stammkundschaft. Er bat mich, nach meinem Dinner, auf ein Bier rüber zu kommen. Es wurde dann auch ein relaxter Abend mit den unterschiedlichsten Gesprächsthemen. Er stellte das Jagen und das Waffentragen zur Diskussion. Hier erklärte ich ihm die unterschiedliche Handhabung in Europa. Das europäische Flüchtlingsproblem der Kanzlerin war auch ein Thema. Bei diesem Thema war er sehr engagiert – natürlich war auch Donald Trump ein Thema. Dan ging davon aus, daß Trump das Rennen um die Präsidentschaft gewinnen würde und er sollte recht behalten. Zurück im Gritli machte mir noch ein paar Gedanken zum Tag. Die Pacific-Coast hatte sich nochmals von ihrer stürmischen Seite gezeigt; auch im Trinity Valley dauerte der Regen an, doch es hatte sich etwas beruhigt. Ich hoffte für morgen auf besseres Wetter.
Abends machte ich mir ein Rahmgeschnetzeltes mit Nudeln und hörte die swr3-Popnacht über Internet. Meine Email-Grüße von der Panam an die Freunde zuhause wurden von Ben Streubel übermittelt. Aber das hat wohl keiner gehört, denn es war in Deutschland ja schon früher Morgen. Das Resümee des Tages führte auf der Negativ-Seite den Ärger mit der Wasserpumpe, welche ich abhängen mußte; freuen durfte ich mich aber über die Email von Stefan Oester aus Mexico. Ihn hatte ich auf dem Dalton Highway auf dem Rückweg von Prudhoe Bay/ AK kennengelernt. Der Frutiger ist sehr schnell unterwegs.
Ich wanderte über den Park-Campground hinunter zum Manzanita Lake und umrundete diesen.
Ein einsamer Angler war mit dem Boot auf dem See. Auf dem Seerundweg begegnete mir niemand außer ein paar Squirrels und Chipmunks. Zurück am Parkplatz machte ich mir im Gritli ein Vesper und fuhr um 14:00 zurück zum RV-Park. Dort sattelte ich die Kabine ab und reparierte die Wasserpumpe zu Tode; dies merkte ich aber erst abends beim Zähneputzen. Nach dem Aufsatteln machte ich mir ein Campfire mit dem teuren KOA-Feuerholz. Zur amerikanischen Bratwurst gab es Tomatensalat und Bannock-Brot(Sauerteig). Dann wollte alles ja auch wieder zusammengeräumt sein. Das Verfassen der Tagesnotizen erforderte dann die letzte Überwindung vor dem Schlafengehen.

So hielt ich kurzfristig vor einer Ausfahrt, um von der gegenüber liegenden Straßenseite ein paar Baumriesen zu fotografieren. Im Weggehen rief mir jemand nach. Es war der Ranger des Grizzly-Creek Redwood Forestcampgrounds, der mich bat, mein Fahrzeug auf den Parkplatz nach der Einfahrt zu stellen. Er gab mir noch ein paar Typs für das Fotoshooting.



Neugierig geworden, drehte ich die komplette Runde des Waldlehrpfades. Zurück am Campground ging ich in das Ranger-Blockhaus. Hier gab es eine Ausstellung von den ausgestopften Protagonisten des nordamerikanischen Wildlifes. Es war so kurios und sympathisch aufgezogen, daß ich den Ranger um Erlaubnis bat, das Stilleben fotografieren zu dürfen.

Kurz entschlossen buchte ich eine Übernachtung auf dem Grizzly-Creek Campground. Besagter Bär wird so langsam zu einem Mythos, wie Saskatch, der Waldmensch, auch Bigfoot genannt, welcher anscheinend schon von Hunderten Menschen gesichtet wurde. Er soll aufrecht gehen, über und über mit Fell bedeckt und knapp an die 3 Meter groß sein.