Tall Chief RV-Park, Fall City/ WA, am. 01 Oktober 2016
Yellowstone River Canyon Campground, Gardiner/ MO, am 02. Oktober 2016
Ich war schon um halb 7 wach und entschloß mich zu einer Dusche. Zum Frühstück gab es Toast mit italienischer Salami und ein weich gekochtes Ei. Um halb 10 war ich wieder auf dem Highway 90. Weitere Orte an der Überlandstrecke waren Cle Elum, Ellensburg, Vantage, George, Ritzville und Spokane. Da es schon dämmerte fuhr ich gegen 18:00 Uhr in St. Regis/MO vom Highway. Am ersten RV Park fuhr ich vorbei, kehrte aber nach 5 km um, da kein weiterer zu erwarten war. An der rechten Seite sah ich ein verwittertes Holzschild mit der Aufschrift RV Park. Ich nahm diese Einfahrt, welche mich auf einer Naturstraße zu einem Anwesen in den Hügeln führte. Es war ein Einfamilienhaus mit separat stehender Garage oder Werkstatt, sowie einem etwas abseits stehenden Ziegenstall. Eigentlich sah es nicht nach Campingplatz aus; trotzdem klingelte ich an der Türe. Bei der Dame des Hauses erkundigte ich mich nach dem RV Park und ob ich für eine Nacht bleiben könnte. Sie bat mich um einen Moment Geduld und rief ihren Mann. Wir stellten uns, wie so üblich mit den Vornamen vor. Mike hatte vor einiger Zeit den RV Park aufgegeben, aber er sagte, ich solle mir doch auf der Wiese einen Platz suchen. Kosten würde es nichts. Wir unterhielten uns noch einige Zeit und wünschten uns dann gegenseitig eine Gute Nacht. Das Abendessen bestand aus Corned Beef und Toast – zu mehr Aufwand hatte ich keine Lust. Ich las noch ein paar Seiten in John Steinbecks „Travels with Charley“. Danach schlief ich auch gleich ein.
Am nächsten Morgen war ich um 7 wach. Es gab nur ein kleines Frühstück und so war ich um 9, nachdem ich noch an der Einfahrt zum Highway getankt hatte, wieder auf diesem unterwegs.
In Missoula/ MO machte ich Station und postete noch einen Beitrag bei Starbucks. Zuvor hatte ich auf einem Rastplatz angehalten, um mir eine Zigarette zu drehen. Ich kam mit einem netten Ranger ins Gespräch, welcher mir noch einige Tips für die weitere Reise gab. Der Abschied war überraschend herzlich: „May be we meet again, I’m allways here -every Day“. Der nächste Halt folgte in Butte, wo ich Essen und Becks Bier einkaufte. An der Abfahrt Bozemann fuhr ich dann vom Highway, da bereits Gardiner angeschrieben war und hier der Nordwesteingang zum Yellowstone National Park war.
Ich fuhr in den hübschen Ortskern im Wildwest-Look.
Die meisten Restaurants hatten geschlossen. Unter den zwei verbliebenen entschied ich mich für den Chinesen. Gegenüber der Chefin lobte ich das gute Essen und sie eilte sogleich in die Küche zu ihrem Mann, um ihm das mitzuteilen. Mehr wie die Hälfte war nicht zu schaffen und so brachte sie mir auch gleich eine Tragetasche, um die Warmhaltepackungen in welchen serviert wurde besser transportieren zu können. Bei der Ankunft hatte ich vor dem Ort, unterhalb einer steilen Wand zwischen Felsen einen Forestcampground gesehen.
Gleich beim Eingang standen bereits ein Trailer und nicht weit davon ein Zelt. Ich fand ein paar Meter weiter einen schönen Platz und richtete mich gleich ein, da es schon dämmerte und auch wieder zu regnen anfing. Heute Morgen war ich in St. Regis im Frühnebel gestartet; doch bald kam die Sonne durch. Diese verabschiedete sich dann aber schon gleich zu Beginn der Scenic Route in Bozeman. Für Morgen hoffte ich auf besseres Wetter.
Ich hielt immer wieder an, um die gegenüberliegende Range und die Hänge rechts, beziehungsweise die Abgründe links der Straße zu fotografieren.
An der Bergstation angekommen, genoß ich nach einem kurzen Spaziergang zum höchsten Punkt die Aussicht auf Port Angeles; von hier aus konnte ich sogar Victoria an der gegenüberliegenden Küste erkennen. Nach einem Rundgang landete ich, wie auf Schienen geführt, in der Cafeteria des Gipfelrestaurants. Ich bestellte mir eine Cola und ein Körbchen Chicken Wings mit French Fries. Dann setzte ich mich auf die granitgepflasterte Terrasse, welche eine grandiose Rundumsicht auf Gletscher und Berge darbot.
Nach geraumer Zeit für Essen und Entspannung ging ich zurück zum Gritli und trat die Talfahrt an. Kurz vor dem State Park Kontrollhäuschen bog ich rechts zum Hurricane Ridge Road Campground ab. Ich suchte mir einen schönen Platz zwischen Felsen aus.
Im Campfire-Ring war noch Holz meines Vorgängers – das würde reichen um heute Abend meine Wienerle zu grillen. Dazu gab es Nudeln mit Parmesankäse. Nach dem Abwasch legte ich mich auch schon bald schlafen.
Vor Preston wurde mir klar, daß ich schon zu lange unterwegs war und es bald dunkel werden würde. Ich nahm die Abfahrt nach Fall City, da hier ein Campingplatz ausgeschildert war. Es war wieder so ein 3 Sterneplatz mit allen Facilities, aber schlechtem Service zu horrendem Preis. Komisch, es sind immer diese Art Campingplätze die dir mehrfach ihre Kundenbefragungsmails hinterher schicken. Es wäre besser, sie würden diese sinnlose Ausgaben in die Verbesserung ihres Service investieren. Zum Abendessen machte ich mir noch ein paar Pesto Pasta mit Thunfisch. Im Bett um 22:00 ließ ich den Tag nochmals Revue passieren. Ich würde es als Überführungsetappe bei schönem Wetter bezeichnen, versehen mit kleineren Staus – im Ganzen wenig reizvoll.
Um 10:30 Uhr legte die Fähre in Richtung Port Angeles/ Washington ab. Die Norwegian Pearl, ein riesiges Passagierschiff lag an der Kreuzfahrt-Pier. Bei Sonnenschein und 15° Lufttemperatur durchquerten wir die Juan de Fuca Strait.
Ein paar Seemeilen vor der Küste des Olympic Parks umfing uns dichter Nebel, welcher sich kurz vor dem Anlegen in Port Angeles lichtete. Um 12:30 Uhr verließ ich den Hafen und fuhr westwärts in Richtung Neah Bay. In Joyce hielt ich an einer Tankstelle mit Grocery-Store, wo ich meine Vorräte ergänzte. Der Store und das danebenliegende Museum versetzten mich in die Zeit um 1900 zurück. Das Sortiment war umfassend und die Regale des kleinen Ladens entsprechend vollgestopft. Ich wußte von einem Gratis-Campground am Lyre Creek, welchen ich nach einer kurzen Fahrt über eine Naturstraße erreichte. Er war sehr schön gelegen, doch leider war es noch zu früh am Tag, um sich über das Nachtlager Gedanken zu machen.
Beim Auf und Ab auf der gut ausgebauten Straße tauchten wir in Küstennähe immer wieder in dichte Nebelschwaden. Die Wälder hatten auch hier einen dichten Moosbehang und glichen denen Vancouver Islands.
Der ereignisreichen Tag, welcher ja den Abschied von Kanada und den Auftakt zum Erkunden der United States einschloß, fand um 22:00 Uhr sein Ende.
Es ging auf der gleichen Straße zurück – nur jetzt bei Sonnenschein und nebelfreiem Küstenstreifen. Später wollte ich in Port Angeles einen Getriebespezialisten aufsuchen und abklären, ob eine Reparatur möglich wäre und was das kosten sollte. Nach der Abfahrt zum besagten See hielt ich an einer Informationstafel und studierte das Freizeitangebot. Zwischenzeitlich hatte eine junge Frau aus Oregon angehalten und sich neben mich gestellt. Ich fragte sie, ob ich wohl an der Rangerstation einen National Park Jahrespass bekommen würde. Sie wollte auch dorthin, war sich aber nicht sicher, ob nicht die Saison schon vorüber war. Da ich früh dran war fuhr ich über die waldreiche Bergstraße zum See. Das Ranger-Office war geschlossen. Bei schönem Wetter setzte ich mich auf eine sonnige Parkbank und begann mit einem weiteren Beitrag für S’Gritli goes America. Nach einer Stunde Aufenthalt bei Kaffee und Cookies fuhr ich zurück zum Highway 101 und hielt erneut an der Gas Station in Joyce. Die Verkäuferin begrüßte mich schon wie einen Bekannten und schaltete mir die Dieseltanksäule frei. Nach dem Tanken machte ich noch ein paar Einkäufe und fuhr nach Port Angeles. Ich erkundigte mich an einer Tankstelle nach einem Reparaturbetrieb für mein Getriebe. Man empfahl mir einen Toyota-Händler, welcher auf europäische Fahrzeuge spezialisiert war. Kurz vor Feierabend traf ich dort ein und schilderte mein Problem. Man sagte mir, daß man leider nur Fahrzeugteile auswechseln würde, für eine Getriebereparatur aber nicht eingerichtet war. Man empfahl mir die Firma BT Transmission, deren Firmenschild ich auf dem Highway schon gesehen hatte. Der Toyota-Serviceleiter bot mir an, dort anzurufen und meinen Besuch anzukündigen, damit auch sicher noch jemand dort wäre. Ich fuhr gleich los. Man erwartete mich schon und Darren, der Inhaber, machte mit mir eine Probefahrt. Auch er hatte Bedenken, daß die Synchronisation des 3. und 4. Ganges beschädigt wäre. Ich sollte morgen gegen 9 nochmals vorbeikommen. Bis dahin wollte er anhand der Chassisnummer den Getriebetyp herausgefunden haben und könnte Aussagen zu einer eventuell möglichen Reparatur machen. Zum Übernachten empfahl er mir den KOA-RV Park 5 Kilometer weiter östlich. Dort angekommen, besorgte ich mir bei der Anmeldung einen Bund Feuerholz, um am Abend zu den übrigen Kartoffeln ein schönes Steak am Campfire zu grillen. Es wurde bereits dunkel und kalt, als mein Grillrost auf Temperatur war.
Um 22:30 Uhr lag ich in der Koje, zufrieden mit dem Tag an dem sich so einiges geklärt hatte: der Himmel, der Küstennebel und der Zustand von Gritlis Getriebe.
Sie zeigte sich familiär und entspannt und von der Busstation beim Inner Harbour aus war man mit ein paar Schritten im Zentrum. Das riesige Geschäftsgebäude der Hudson Bay Company ist heute an Banken und Anwaltskanzleien untervermietet. An schönen Kneipen und Geschäften vorbei gelangte ich zum Touristenhafen, wo man Flüge mit Wasserflugzeugen, Hafenrundfahrten oder Whale-Watching-Safaris buchen konnte. Die Stadtrundfahrten machte man mit dem traditionellen, britischen Doppelstockbus mit „Open Top“. Ich begnügte mich mit dem Einkauf von Postkarten und ein paar Souvenirs. Gegen Mittag ging ich zurück zu dem schönen Irish Pub, der mich am Vormittag mit seinen schönen Bleifenstern beeindruckt hatte. Hier setzte ich mich auf die Straßenterrasse und bestellte ein „Pint of Guinness“ und das Menu. In der Sonne sitzend genoß ich den Fußgängerverkehr, den ich komplett relaxed empfand. Die Leute hielten an Straßenständen für einen Smalltalk, ohne auch nur irgendeinen Druck zu verspüren, etwas kaufen zu müssen. Ein Straßenmusikant spielte professionell Countrymusik und ich verweilte für ein paar Songs, um ihm dann ein paar Münzen in den Gitarrenkoffer zu legen.
Ich ging weiter über die Hängebrücke zum Park eines großen Hotels, wo ich auf einer Bank dem Hafengetriebe zusah. Die Coho-Fähre nach Port Angeles/Washington lief ein – diese wollte ich morgen erreichen, um nach 14 Wochen in Kanada in die USA zu wechseln. Aber zuvor mußte ich Nissan of Duncan erreichen, um einen weiteren Termin zu vereinbaren. Mit diesen Gedanken ging ich zurück zur Bushaltestelle. Nach Kochen und Abwasch wollte ich noch ein paar Sachen am Internet recherchieren. Das Einloggen funktionierte nicht. Ich klopfte bei den Nachbarn, Claudia und Pinky(hoffentlich habe ich mir das richtig gemerkt) aus Hamburg und fragte nach, ob das Login gewechselt hätte. Sie hatten auch keine Verbindung und so verabredeten wir uns zu einem Klönschnack bei einer Tasse Tee an meiner Tischbank. Sie hatten meine Freunde aus Dippoldiswalde in Nanaimo kennengelernt und schon erfahren, wie toll der Juan de Fuca Trail sei. Es wurde ein schöner, entspannter Abend. Zum Abschied schenkten sie mir noch ihre feine Duftkerze. Danke.
Die Zollformalitäten am nächsten Morgen waren bald erledigt und um 10 Uhr 30 stachen wir in Richtung Port Angeles/Washington in See.
Als ich am Strand, auf einem angeschwemmten Baumstamm die Wärme genoß, kam Thomas mit der kleinen Mathilda herüber. Die Kleine hatte schon ein strahlendes Lächeln aufgesetzt. Sie war überhaupt ein sonniges Kind, was sie in den folgenden Tagen noch unter Beweis stellen sollte. Nachdem die 4 gefrühstückt hatten, machten sich Thomas und ich an die Inspektion der Kupplung. Thomas überprüfte nochmals auf Undichtigkeit; doch alles schien okay. Er entlüftete dann das Hydrauliksystem nochmals und nach der Probefahrt ging das Schalten schon merklich besser. Meine Bedenken waren nicht vollständig ausgeräumt, obwohl Thomas das Kratzen als unbedeutend einstufte. Thomas, Ruth und Constanze wollten die nächsten 3 Tage auf den Juan de Fuca Trail und luden mich ein mitzukommen. Eigentlich wollte ich zurück nach Duncan zu Nissan, aber da es nach wie vor kein Telefonnetz gab, sagte ich zu. Den weiteren Tag nutzte ich zum Aufräumen und Block schreiben. Am Nachmittag fingen Ruth und Constanze an, ihre Rücksäcke zu packen. Ich war mir noch nicht sicher und wartete ab. Ich hatte aber schon zugesagt, sie die 23 km zum Ausgangspunkt, der Sondrio-Beach zu fahren. Thomas hakte dann nochmal nach. Ich hatte kein Zelt und keine Isomatte für die Übernachtungen. Keine Chance – 2 Zelte waren vorhanden und eine Isomatte hatten sie übrig. Ich gab mir den entscheidenden Ruck und holte meinen Rucksack hervor, um zu packen. Den Abend verbrachten wir am Lagerfeuer und erzählten aus unserem Leben.
Thomas und Ruth hatten 10 Jahre in Malawi gelebt; vor 16 Monaten war dann Mathilda zur Welt gekommen. Irgendwie hatten sie genug von Afrika. Das ewige Abschließen, Sichern des Eigentums, nervte doch sehr. Thomas hatte als Optiker bei einem Deutschen in Malawi und Südafrika gearbeitet und folgte nun dem Ruf des Vaters nach Dippoldiswalde. Constanze, die Schwester, war froh um die Entlastung, da sie im Moment die Verantwortung für das Optikfachgeschäft mit ihren Eltern teilte und diese schon im Rentenalter waren. Wir saßen noch lange, bevor wir schlafen gingen. Am nächsten Morgen brachte Thomas sein gelbes, rauchendes Ungetüm auf den Betriebshof der gegenüberliegenden Forstwirtschaft.
Die beiden Frauen mit Mathilda und den Rucksäcken nahmen im Gritli Platz. Thomas stieg dann zu und so ging es über die Straße zurück, über die ich 2 Tage vorher hergekommen war. Die Zufahrt zum Parkplatz über der Sondrio-Beach war übersät mit badwannengroßen Schlaglöchern. Ich wartete auf ein Protestklopfen. Es blieb aus, und so holperten wir schließlich auf den Parkplatz. Die Damen waren doch etwas derangiert, aber die Mienen heiterten sich bald wieder auf . Unterwegs zum Strand kamen mir Bedenken, ob die Beifahrertür abgeschlossen war. Um sicher zu gehen, lief ich nochmals zurück und tatsächlich war die Tür offen.





Als ich am Beach ankam, machten wir uns auch gleich abmarschbereit. Thomas nahm Mathilda im Tragegestell auf den Rücken und hängte sich eine Tasche mit den 2 Zelten darunter; also reichlich Gepäck für einen Wanderer. Aber Thomas hatte Bärenkräfte und eine entsprechende Kondition. Wir hatten alle große Rucksäcke mit der persönlichen Ausrüstung und die Verpflegung war über uns 3 verteilt. Nach kurzem Anlauf zog Thomas, ein ehemaliger Gewichtheber, los. Nach 10 Minuten war aus unserem Blickfeld verschwunden. Dieser Startablauf sollte die weiteren Tage der gleiche bleiben. Ich kam schwer in Tritt und die beiden Frauen waren gut in Form. Aber nach einiger Zeit ging es ganz gut. Ich mach es kurz. Es war sehr anstrengend und unterwegs hatte jeder mal sein Flash. Das Wetter wechselte von anfänglich schön zu regnerisch am 2. Tag, und am 3. gab es von beidem etwas. Das Ansteigen über Wurzeln, das Waten durch Schlammpassagen, das Steigen über fussballgroße Strandkiesel und die Abstiege benötigten die volle Konzentration. Aber die Ankunft am Abend, das lodernde Lagerfeuer, das einfache aber gute Essen ließen einem die Plagen des Tages vergessen.
Das Wildlife beschränkte sich auf Vögel, ein paar Seehunde und eine Ratte, oder gar Größeres außerhalb des Zeltes. Aber wir sahen Buckelwale und diesmal sogar mit Flossenschlag. Vom Strand aus feuerten wir sie an mit AAAs und OOOs und hatten unsere Gaudi. An der Cheena Beach nach 3 Supertagen angekommen, hatten wir wohl alle genug von der Plackerei, auch Thomas. Das Erreichen des Parkplatzes und das Holen vom Gritli gab dann nochmal zu tun. Aber im Endeffekt waren das Peanuts. Zurück an der Golden Bay machten wir uns ein letztes, gemeinsames Abendessen. Später kam noch der sympathische Stefan aus Zürich dazu, der am nächsten Tag zurück in die Schweiz mußte. Anschließend war jeder froh wieder in einem rechten Bett zu schlafen.
Als dann der Abschied kam, umarmte er mich freundschaftlich und wünschte mir alles Gute für die weitere Reise. Für das Material nahm er keinen Cent. Ich hatte wieder einen Menschen getroffen, der mir selbstlos seine Hilfe und Freundschaft zukommen ließ.
Hier hielt ich an und fragte Thomas, dem das Teil gehörte, ob er Netz hätte. Er meinte, er hätte nicht mal ein Handy. Nachdem er mein Problem kannte, bot er an, sich die Sache am nächsten Tag mal anzuschauen. So lernte ich Thomas, Ruth, Constanze und Mathilda, das 16 Monate alte Töchterchen kennen. Ich fand einen schöne Platz und kehrte später mit ein paar Dosen Bier zu Dresdnern zurück. Das Mobil war super gemütlich eingerichtet. Bald verabschiedete ich mich, da ich für diesen Tag genug erlebt hatte.
Weiter ging es Richtung Wittys Lagoon, wo ich eine 5 km lange Wanderung durch den Regenwald entlang der Lagune zum Sandstrand an der Juan de Fuca Strait machte.
Anschließend fuhr ich noch bis Sooke, wo ich dann umdrehte, um am Highway 1 den Bamberton Provincial Park aufzusuchen, welchen ich schon auf der Herfahrt ausgesucht hatte. Zuvor besuchte ich 2 schöne Ausblickbuchten mit tollem Blick auf die Swartz Bay. Über eben dieser Swartz Bay war auch der Bamberton Provincial Park gelegen. Nachdem ich S’Gritli aufgestellt und mich am Eingang registriert hatte, ging ich den steilen Kilometer hinunter zum Strand, um eine andere Perspektive zu genießen.
Der Rückweg war anstrengend, hatte sich aber wirklich gelohnt. Nach dem Abendessen ließ ich den Tag ausklingen.
Außerdem war ich noch etwas müde und hatte keine Lust heute noch weit zu fahren. Am Wegweiser nach Crofton fiel mir ein, daß mir das Heinz als Alternative zum Cowichan Lake genannt hatte. Also bog ich in diese Richtung ab und fand mich an der Fähre in Osborne wieder.
Ich parkte S’Gritli am Hafen und machte einen Spaziergang am Uferweg. Dieser führte an einem RV-Park vorbei für den ich mich kurzerhand entschied. Im örtlichen Lädeli kaufte ich mir nötige Vorräte ein. Im Campoffice buchte ich dann einen Stellplatz für eine Nacht unten am Ufer.
Ich erinnerte mich, daß ich im Reiseführer etwas von „touristisch unerschlossen und verschlafen“ gelesen hatte. Gerade das reizte mich an der Sache; heraus zu bekommen wie es dort wirklich war. Auf dem 1. Rastplatz, gleich vor dem Fährhafen, setzte ich mich in die Sonne an einen Pikniktisch und sah noch mal nach. In dem Moment erreichte mich eine SMS von Heinz. Sie waren am Mount Washington und wollten eine Bergwanderung machen, hatten aber plötzlich keine Lust mehr und fragten, wo ich denn sei. Ich sagte ihnen, daß ich auf dem Rastplatz war und auf Denman Island wollte. Auf die Frage, was es da Interessantes gäbe, antwortete ich: Ruhe, Erholung, 1 Provincial-Park, Sonne und Schiffchenfahren. 30 Minuten später waren sie da und nach einigen Einkäufen in dem Grocery Store der Tankstelle, ging’s auf die Drahtseilfähre. Wir fuhren zuerst mal über die Insel in Richtung der Fähre nach Hornby. Das war hier ja ein richtiges Künstlerrefugium. Fast jedes Haus hatte Skulpturen im Garten. Die anderen hatten eine Schild mit „Galerie“ oder „Ausstellung“ an der Hofeinfahrt. Der Provincial Park lag sehr schön an einem langen Kiesstrand mit Treibholz und hinter den Parkbuchten war ein märchenhafter Wald mit altem Baumbestand.


Diesen Abend gaben wir noch einmal alles, was unsere Kochkunst und die Kühltruhe so zu bieten hatte. Nun war es ja endgültig, daß es das letzte Mal sein würde. Ingrid und Heinz wollten am nächsten Tag die Fähre zurück aufs Festland nehmen und an der Küste entlang nach Vancouver fahren, um ihren Truckcamper abzugeben.
