Jinglepot-RV Park und Campground Nanaimo, am 30. August 2016
Punkt 11 Uhr verließ ich den Campground in Savona, um gleich 100 Meter weiter am Randstreifen der Nebenstraße zu parken. Hier überprüfte und ergänzte ich die Kabel-Isolierung der beiden Fernscheinwerfer. Als ich die Sicherung ersetzt hatte, ging’s Richtung Kamloops um auf dem Trans Canada Highway 5 zur Fährstation in Twawassen bei Vancouver zu kommen. An einer Tankstelle mit Grocery-Store etwa 5 km vor dem Lake of the Woods machte ich halt, um meine Vorräte zu ergänzen. In der Zwischenzeit hatte ein Mietcamper neben mir geparkt. Da ich Schweizer oder Alemannischen Dialekt gehört hatte fragte ich die Beiden, woher sie kämen. Pascal und Gregor aus Rothenburg/ Luzern mußten in 2 Tagen ihr Wohnmobil zürückgeben. Wir tauschten Reiseerlebnisse aus und da sie bereits einen Campground in der Nähe ausgesucht hatten und ich nach Vancouver wollte, verabschiedeten wir uns mit einem „Gib Sorg“. Am Lake of the Woods hielt ich dann erneut, um ein paar Fotos zu machen.
Als ich im Schatten auf der Bank saß und rauchte, kam ein Biker auf mich zu und wollte mir eine Zigarette abkaufen. Ich drehte ihm eine während er sich zu mir setzte. Er kam aus Kamloops und war mit seiner neuen, roten Harley Victoria unterwegs. Grant wollte von der Horseshoe Bay nach Nanaimo übersetzen, um Freunde zu treffen. Wir unterhielten uns noch mit einem weiteren Harley-Pärchen, die in Gegenrichtung unterwegs waren. Bei solchen Gelegenheiten gilt es die Ohren aufzusperren, da es immer wertvolle Tips für die weitere Reise gibt. Die Fahrt über das Kamloops Plateau gab immer wieder den Blick frei auf die 3- und 4-Tausender Britisch Kolumbiens. Bald senkte sich die Straße durch Fruchtplantagen in Richtung Vancouver – auch wurde die Bebauung dichter und die Anzahl der Gewerbezonen wuchs in meiner Fahrtrichtung an. Carmen hatte für den zähflüssigen Verkehr eine Umleitung errechnet, welche uns 20 Minuten Ersparnis bringen sollte. Okay, ich hatte es nicht eilig, aber gut?! Ich überprüfte meine Zieleingabe, da mich solche Neuberechnungen immer etwas misstrauisch machen. Aber alles war bestens und so erreichten wir über 4 Fahrspuren in eine Richtung schnell die Fährstation in Twawassen. Die Überfahrt sollte 1 Stunde 50 Minuten dauern; ich freute mich darauf, denn das Wetter war nach wie vor bombig. Ich genoß eine eiskalte Dose Coke bei geöffneter Fahrertüre, die ich an einem Automaten gezogen hatte, als Ken auf mich zuschlenderte. Ken Bennett war ein 75-jähriger Unternehmer von der Insel, welcher mit seinem großen GMC-Pickup und Kastentrailer von einer Geschäftsreise aus den USA zurückkam. Er interessierte sich für meine „Nice Kombination“. Er wurde dann früher zum Einfahren gerufen.
Wir verabschiedeten uns mit einem „Seeya“. Aufgrund meiner geringen Überhöhe sollte auch ich früher auf das Autodeck fahren und so saß ich bald an einem schönen Fensterplatz in der Cafeteria, als Ken am Tisch vorbeikam. Er setzte sich zu mir und fragte mich, ob ich auch etwas essen würde. An der Theke suchten wir uns beide einen Rostbeef-Wrap mit Dipsauce aus. Das war ein dickbelegtes „Eingeklemmtes“ und dazu gab es eine Suppentasse mit einer Art Ochsenschwanz-Suppe, in welche man das Sandwich tunkte. Als ich das als Junge mit meinem Milchweggli im Kaba machte, hieß es meistens: „Des Dischduech hani grad erschd drufdo“. Ken ließ es sich nicht nehmen, für mich mitzubezahlen. Nach dem Essen gingen wir dann an Deck in den Smokers-Corner und bei unserem Gespräch verging die Zeit im Flug, sodass ich nicht einmal an Fotos vom Einlaufen in Nanaimo gedacht hatte. Ken hatte mir empfohlen nicht mehr all zu weit zu fahren, da es bald dunkel werden würde. Beim Abschied tauschten wir unsere Emailadressen aus und versicherten uns, in Kontakt zu bleiben. Bald schon nahm ich die Highwayabfahrt zum Jinglepot Campground, wo mich John, ein sympathischer Koreaner, in meine Campsite dirigierte. Ein kleiner Imbiss und ein Becher Wein beendeten den Tag.
Die Nacht war sehr kühl gewesen und so freute ich mich auf eine warme Dusche. Anschließend schaute ich im Camp-Office vorbei. Der Besitzer war sehr freundlich und berechnete mir für die Nacht nur 20 Dollar, obwohl ich auf einem Full-Hookup-Platz gestanden hatte. Nachdem ich zusammen geräumt hatte, fuhr ich zum Hafen, um Neues zu erfahren. Der Hafenmeister verwies mich an die Tweedsmuir Shipping Agency in Bella-Coola-Village. Leider war Samstag und die Tür verschlossen. Von gegenüber kam ein hilfsbereiter Anwohner mit Fähren-Fahrplan und suchte mit mir die nächstmögliche Abfahrt heraus. Diese würde erst am Montag, den 29.08. um 07:30 sein. Ich kehrte zum Rip Rap RV-Park zurück und meldete mich für weitere 2 Übernachtungen an. Nun konnte ich mir einen Platz auf einer großen, leeren Zeltwiese aussuchen. Ich kochte mir etwas zu Mittag, räumte auf und trimmte S’Gritli auf „wohnlich“.
Zwischenzeitlich war der weiße Pickup-Camper auch angekommen. Das Pärchen winkte freundlich und ich schlenderte für ein Schwätzchen hinüber. Heinz und Ingrid aus Leonberg hatten den Camper in Vancouver übernommen und wollten hier, wie ich, ihren Traum von der Inside Passage verwirklichen. Der einzige Unterschied war, daß sie diese vor einem halben Jahr reserviert und bezahlt hatten. Irgendwie verstanden wir uns auf Anhieb gut. Heinz war sehr mit seiner Zahnarztpraxis eingespannt und nutzte die Urlaubszeiten für Abenteuerurlaube in der ganzen Welt. Er war schon mehrfach bei Freunden im Yukon, mit seiner Tochter in Südamerika und zum Kajaking in Papua Neuginea.
Über Cache Creek kam ich nach Savona etwa 10 km vor Kamloops. Diesen Platz mußte ich nehmen, da es bereits dunkel wurde und meine Rücklichter nicht funktionierten. Ich hatte gestern noch meine Fernscheinwerfer stillgelegt, da nur einer brannte und dabei wohl ein blankes Kabel nicht sorgfältig isoliert. So war eine Sicherung durchgebrannt.
So kam es dann, daß im Abstand von 15 Minuten bis viertel nach zehn abends die Canadian Pacific mit 100 Wagons vor dem Gritli vorbeifuhr. Zehn nach zehn sagte ich mir: das muß die letzte sein, sonst pack ich mein Zeug zusammen. Und tatsächlich war sie es auch. Dafür ging es morgens um viertel nach sechs von Neuem los. Man hatte mir 39 Dollar für die Nacht berechnet und für das Ausgießen meines Grauwassers verlangte die geschäftstüchtige Dame noch mal 6 Dollar.
Die weitere Fahrt führte mich nach Williams Lake. Hier bog ich links ab auf den Highway 20 um über Hanceville, Redstone, Tatla Lake und Anahim Lake den Heckman Pass zur erreichen. In Anahim Lake machte ich halt an der Tourist Information. Bei der zuständigen Dame fragte ich nach, ob es möglich wäre eine Reservation für die Schiffsreise von Bella Coola nach Port Hardy auf Vancouver Island zu tätigen. Aus dem Stehgreif sagte sie mir, daß alles ausgebucht wäre und riet mir davon ab, nach Bella Coola zu fahren. Ich sagte ihr, daß ich das Risiko gerne auf mich nehmen würde und die Fahrt als Abenteuer betrachtete. Auf der Weiterfahrt traf ich auf einen typischen Truckcamper, wie man ihn als Tourist in Vancouver übernehmen kann. Wir fuhren einige Zeit zusammen, bis er dann noch vor dem Heckman Pass die Abfahrt zu einem Campingplatz nahm. Dieser Pass war das eigentliche Abenteuer dieses Tages. Auf einer Naturstraße ohne Randbefestigung ging es teilweise mit 18% Gefälle talwärts. Bald traf ich auf einen Schwarzbären und wenig später auf eine junge Mountain Goat(Bergziege).
Später hielt ich auf einem sicheren Ausweichplatz – der Pass wird hauptsächlich von Loggern(Holztransport-Trucks) benutzt – und sah mit meinem Fernglas weit unten am Coola River einem Grizzly beim Fischen zu. Es dämmerte bereits, als ich auf einen Forest-Campground fuhr. Keiner der Parkplätze war besetzt, aber am Waldrand stand ein Pickup und dahinter, unter den Bäumen, 2 Zelte. Es war eine junges Ehepaar mit 3 Kindern und wir hatten ein schönes Gespäch. Ich wollte weiter zum Hafen von Bella Coola, um eventuell dort morgen früh einen Platz durch Standby auf der Fähre zu erhalten. Als ich vom Platz fuhr, kam gerade die Rangerin zur abendlichen Kontrolltour. Sie sagte mir, daß es immer wieder vorkäme, daß Fährreservationen verfallen, da die Leute nicht erscheinen. Sie glaubte, die Chancen wären nicht schlecht einen Platz zu bekommen. Am Hafen angekommen, mußte ich feststellen, daß ein Bleiben über Nacht nicht möglich war und die nächste Fähre erst in 3 Tagen auf dem Plan stand. Unterwegs hatte ich in Hagensborg den Rip Rap Campground gesehen. Zu diesem fuhr ich nun zurück und nahm mir einen Platz zwischen 2 großen Mobilhomes. Es war bereits Nacht und nach einem kleinen Imbiss legte ich mich schlafen.
Die Schwarzwälderin hatte leider ihren freien Tag, aber Tim, ein Deutscher aus Kassel, nahm sich Zeit für ein kurzes Gespräch. Er arbeitete im Service, als Saisonier und hatte schon in Australien in der Gastronomie gejobbt. Dahin zog es ihn auch immer noch und er überlegte sich, ob er nach dem Winter dahin zurückgehen wollte. Nach einer deutschen Bratwurst und einer etwas blassen Rösti machte ich mich auf die Bergabwanderung. Das Wetter war schön, aber der Weg sehr steinig und steil. Da ich meine neuen Straßen-Boots angezogen hatte, handelte ich mir an beiden Füßen Blasen an der Zeige-Zehe ein. Unterwegs sah ich am Weg einen Rehbock weiden. Nach eineinhalb Stunden war das Dorf erreicht. In der Zwischenzeit hatte ich neue Nachbarn bekommen, welche mich freundlich grüßten. Nach einer grossen Portion Spaghetti und einem Glas Wein richtete ich das Bett für die Nacht.
Okay, für mich persönlich waren Kamloops, Kelowna und Okanagan nette Ziele, aber doch etwas zu versnobt. Zwischenzeitlich hatte ich mich entschlossen, nach Bella Coola zu fahren. Hier wollte ich die kleine Inside Passage nach Port Hardy auf Vancouver Island nehmen. Diese sollte 500 Dollar kosten und deshalb hatte ich es mir lange überlegt. Auf dem Weg dorthin legte ich am Green Lake in der Nähe von „100 Mile House“ eine Übernachtung auf einem der typischen Forest-Campgrounds ein.
Das Abendessen gab es aus der kalten Küche und nach einem Becher Rotwein legte ich mich schlafen.
Rechterhand sah ich die Gletscher des Thompson Icefields. Hier verließ ich den Yellowhead Highway und bog auf den Highway 5, welcher mich nach Kamloops führen sollte. Nach einer Stunde hielt ich an einem schönen, kleinen See mit Rastplatz, um etwas zu essen. Hier stand bereits ein weißer Truckcamper mit kanadischem Kennzeichen. Ich fand eine Tischbank direkt am Seeufer, wo ich die Sonne genoß und vesperte. Auf dem Weg zum Tisch bemerkte ich , daß es im Gras wuselte und dachte, es seien Wespen oder Bienen. Beim genauen Betrachten stellte sich heraus, daß es hunderte Frösche in der Größe einer 10 Cent-Münze waren. Später besuchte mich noch ein Vogel mit schimmernd blauem Gefieder – ein Bluebird.
Auf dem Weg zurück zum Gritli grüßte ich den anderen Camper und kam über das Thema Frösche mit ihm ins Gespräch. Marc und Herlinde aus Belgien hatten sich für die nächsten Reisejahre einen neuen Pickup mit Wohnkabine in Kelowna gekauft und beim Händler auch anmelden und versichern lassen. Sie waren beide sehr nett und hilfsbereit und gaben mir die Adresse ihrer Versicherungsagentin. Sie bezahlten bedeutend weniger für Ihre Versicherung, als ich für meine. Allerdings bin ich vertraglich ein halbes Jahr gebunden. Ich denke, ich schaue mich dann in den USA nach einer Alternative um. Ich fuhr weiter auf der 5. Die Landschaft veränderte sich in hügeliges, grasbewachsenes Gelände. Die Berge und vorgelagerten, welligen Erhebungen hatten spärlichen Bewuchs mit einzelnen, fast astlosen, schwarzen Tannen. Es war fast Abend als ich ein Straßenschild mit der Aufschrift „Sun Peak“ und einem Skifahrer-Symbol sah. Ich bog links ab in die Bergwelt und nach ein paar Bauernhöfen folgten schön angelegte Lodges an einem kleinen See. Weitere 15 km später kam ich in das Sun Peak Recreation Resort.
Wie ich später erfuhr, hatte eine bekannte kanadische Skisportlerin zusammen mit ihrem Mann das Gelände erworben und vermarktete jetzt zusammen mit einem Konsortium das neuerstellte Skidorf im alpenländischen Stil. Auf einem schlichten RV Park fand ich Platz für die Nacht.
Ich packte meine restlichen Utensilien zusammen und fuhr zurück auf den Cassiar Highway 37. Nach 3 Stunden Fahrt, begleitet von eisbedeckten Bergen, sah ich an einem Wanderparkplatz eine Tischerkabine Trail 260 auf einem anthrazitfarbenen Nissan Navarra mit Duisburger Kennzeichen.
Die Tischerleute waren wohl auf dem Weg zu dem ausgeschilderten See. Ich dachte mir, ich könnte ja auch mal ein paar Schritte gehen. Auf dem Holzsteg kamen mir dann Klemens und Margit entgegen. Sie hatten gestern mein Fahrzeug in Dease Lake gesehen, als ich gerade beim Einkaufen war. Sie warteten auch kurz und fuhren dann weiter. Wir hatten ein nettes Gespräch, zeigten uns gegenseitig unsere Kabinen von innen und verabschiedeten uns nach einem Schnappschuss. Auch sie wollen an der Westküste südwärts – ihr Ziel hatten sie noch nicht genau abgesteckt. Nach einem Abschiedsfoto fuhren wir beide eine Zeit lang zusammen, bis uns der eine oder andere Fotostopp dann trennte. Obwohl ich die beiden ja nicht kannte – sie waren bisher noch an keinem Tischer-Treffen – hat man immer wieder ein gutes Gefühl, mit Leuten zusammen zu kommen, welche die gleichen Interessen haben.
30 km vor der First Nation Siedlung sah ich am Straßenrand einen Schwarzbären. Da vor mir ein Fahrzeug die Warnblinkanlage einschaltete, aber weiterfuhr, hatte ich rechtzeitig mein iphone zur Hand und konnte endlich gute Fotos machen.
Ich fuhr weiter Richtung Kitwanga. Hier fand ich einen RV Park. Da er nicht nach meinem Geschmack war und obwohl es schon dämmerte, fuhr ich weiter bis New Hazelton wo ich im Seeley Provincial Park Quartier bezog und den Tag ausklingen ließ.
Dann folgten gut 200 km Gravel Road durch Wälder und Sumpfgebiete. An einem schönen See mit Forest Campground machte ich Rast und kochte mir einen Kaffee.
Auf der Weiterfahrt ließ ich Faro und Ross River links liegen. Ab Ross River wurde die Straße immer enger. Auf der folgende Strecke hatte ich einige Tierbegegnungen. Ich sah 1 Vielfraß und 3 Stachelschweine. Das zweite stachlige Schwein überquerte gemütlich die Straße und bevor es sich an der anderen Seite im Gebüsch verkroch, hob es noch ein Hinterbein und hinterließ eine Duftmarke.
Es folgte ein Schwarzbär, der mir aber fotografisch wieder durch die Lappen ging. Später konnte ich einen zweiten noch schemenhaft im Gebüsch erwischen.
Nach einer Brücke erblickte ich durch Zufall eine enge Schlucht mit rauschenden Wassermassen. Ich hielt am Straßenrand und schoß ein Foto. Ein vorbeifahrender Pickup gab mir Lichthupe, sodass ich sicherheitshalber noch ein zweites machte.
Nach weiteren hundert Kilometern auf schmalster Naturstrasse kam dann eine lange Straßenbaustelle mit weichem Untergrund. Es regnete stark und war schon dunkle Nacht. Die Baustelle endete erst kurz vor Watson Lake. Hier wollte ich noch tanken, da ich für meine Übernachtung den westlich liegenden Campground gewählt hatte, auf dem ich Joe aus New Mexico kennengelernt hatte. Die Tankstelle in der Stadt hatte schon geschlossen, aber an einer anderen brannte noch Licht. Hier wurden aber nur Kundenkarten akzeptiert. Gerade als ich weiterfahren wollte, fuhr ein Einheimischer mit Pickup vor. Er bot mir an, ich könnte ihn Cash bezahlen und er nähme mein Kontingent auf seine Karte. Super – so mußte ich morgen nicht mehr in den Ort zurück, sondern konnte nach 10 km direkt zum Cassiar Highway links abbiegen. Da ich den Campground ja kannte, fand ich meinen Stellplatz auch im Dunkeln. Am Morgen wartete ich das Eintreffen des Rangers ab, um die Standgebühr zu bezahlen. Er erinnerte sich noch an mich und erkundigte sich nach meiner Reise nach Alaska. Ich machte mich kurz darauf auf den Weg Richtung Dease Lake. Die Teerstraße war rauh und winklig. Die Gas Station in Dease Lake bot alles was man so braucht. Ihr war ein großer Grocery Store angeschlossen, wo ich meine Lebensmittel ergänzte. Als ich 50 km weitergefahren war, sah ich nach einem Rastplatz eine Straße, welche direkt zu einer Bootsanlegestelle mit Vorplatz am Kinaskan Lake bei Iskut führte. Hier hatte sich bereits ein Wohnmobil für die Nacht eingerichtet. Ich fragte den älteren Herrn, Walter ein Amerikaner aus New York, ob er und seine Frau über Nacht bleiben wollten. Er hätte kein „No Camping“-Schild gesehen und somit sollte es auch keine Probleme geben. Ich wollte das auch probieren und so hatten wir noch ein längeres Gespräch über das Ziel der Reise. Er war auch sehr interessiert an meinem Camper und nahm das Angebot, es doch von innen anzuschauen gerne an. Er selbst fuhr einen Sprinter mit Womo-Kastenaufbau, der in den USA unter der Marke Dodge verkauft wird.
Nach Ratatouille mit meinen, am Campfire vorgebratenen Koteletts zum Nachtessen blieb noch der Abwasch zu erledigen. Später schrieb ich noch an meinem Block bevor ich mich schlafen legte.



Ich würde auf jeden Fall am Engineers Creek übernachten und danach zurückkehren zum Highway 2 in Richtung Carmacks. Beim Halt am Ogilvie Ridge Aussichtspunkt traf ich ein Pärchen aus Augsburg. Ich erzählte Ihnen, dass ich auf dem Weg in den Süden auf jeden Fall noch im Okanagan Valley Station machen wollte. Sie gaben mir dann noch ein paar Tips. Sie kannten den Besitzer von der Okanagan-Brewery persönlich; ich sollte dort vorbeigehen und ihm einen schönen Gruß ausrichten – na mal sehen. Als ich von meinem Ausflug zurück zum Campground kam, war mein Platz besetzt. Die Kameraden aus Ostdeutschland(Vater und Sohn) suchten sich dann einen anderen Platz. Einen sehr schönen Kontakt hatte ich zu meinen deutsch/ südfranzösischen Nachbarn, welche in der Nähe von Klagenfurt(A) wohnen. Sie hatten sich beide bei Airbus in Toulouse kennengelernt und bis zu ihrem Ruhestand in Deutschland gelebt. Sie waren schon zum 19. Mal im Yukon, jedesmal mit einem gemieteten Pickup-Camper. Es sollte wohl das letzte Mal sein, da sie mit 71 und 83 Jahren das Reisen etwas geruhsamer angehen wollten. Wir saßen lang an ihrem Lagerfeuer und leerten zusammen manche Büchse Bier. Zum Abschied schenkten sie mir noch ein Stück von ihrem selbstgefangenen Lachs, den sie unterwegs räuchern ließen.

In Carmacks machte ich dann Halt auf dem einzigen Campground. Am Morgen lernte ich Martin und Gudrun kennen. Sie kommen aus Fulda und hatten hier ein paar Tage im Zelt verbracht und einige Kanoetouren auf dem Yukon River unternommen. Sie haben in Deutschland einen Toyo HJZ mit dem sie schon manche schöne Reise in Europa machten. Damit möchten Sie in absehbarer Zeit auch auf die Panamericana. Martin hatte für seine Bootstouren ein tolles Iridium-Sateliten-Navigationsgerät erstanden, welches er mir vor meiner Abreise noch erklärte. Die Betriebskosten sind erschwinglich. Die Anschaffungskosten liegen bei 400 €. Ich werde es bei Gelegenheit mal übers Internet anfragen. Martin war jedenfalls total überzeugt von dem Teil. Für Südamerika wäre das schon eine gute Sache.
Kurz nach der Brücke bog ich links auf den Taylor Highway. Das Wetter war bescheiden und die Berge im Nebel kaum auszumachen. Auch hier waren zahlreiche Jäger unterwegs. Vor Chicken wechselte dann der Straßenbelag. Chicken ist eine Ansiedlung von wenigen Häusern, aber einigen Souvenirshops und Saloons. Goldsuchergerät, bis hin zum fahrbaren, schweren Laufbandkran war für Goldrausch-Berauschte ausgestellt.
Das Wetter hatte sich sehr verschlechtert und so ging die Fahrt Richtung „Top of the World – Highway“
und kanadische Grenze mal wieder durch tiefen
Matsch. Nach der problemlosen Zollüberquerung besserte sich das Wetter und 10 km vor Dawson City hörte es auf zu regnen. Schon von Weitem sah ich ein Iveco-Reisemobil mit Bimobilaufbau. Als ich das Konstanzer Kennzeichen erkannte, fing ich schon mal an die Lichthupe zu betätigen. Ich war schon vorbei, als ich im Rückspiegel die Bremsleuchten sah. Also fuhren wir beide rückwärts, um uns auf gleicher Höhe zu begrüßen. Sandra, Andreas und Luke wollen mit ihrem tollen Gefährt ebenfalls auf die Panamericana. Nach der Begrüßung boten sie sich an, mir ihre Kabine zu zeigen. Das nahm ich gerne an. Sie hatten das Fahrzeug gebraucht, aber neuwertig, erstanden und das vorhandene Interieur noch mit eigenen Ideen und Verschönerungen veredelt. Wir quatschten bestimmt eine halbe Stunde angeregt. Beim Abschiedsfoto durfte Luke der Bordhund ans Steuer und Sandra und Andreas
Als wir uns verabschiedeten, waren sich alle sicher: „Wir sehen uns wieder“. Schon bald war der Yukon River erreicht, wo ich mit der Fähre nach Dawson City übersetzte. Auch hier dominiert das Goldgräber-Motto, aber mit mehr Charme und doch dem einen oder anderen historischen Gebäude.
An einem Uralt-CarWash
reinigte ich S’Gritli von der neuen Sandpannade. Anschließend suchte ich mir außerorts einen Forestcampground für die Nacht. Am Abend regnete es, aber am Morgen weckte mich die Sonne.





Der nächste Tankstopp war dann nach 220 km Piste in Coldfoot. Man muß jede Tankgelegenheit wahrnehmen, um auch wirklich anzukommen. Von Coldfoot bis Prudhoe Bay sind es weitere 380 km. Die höchste Fahrgeschwindigkeit liegt bei 80 km/h, die Schlaglochpisten im 2. Drittel lassen nicht mehr wie 60 km/h zu. Die letzten 100 km legte ich hinter einem großen Peterbuilt-Truck zurück. Ich hatte ihn zusammen mit 2 anderen Trucks am Atigun Pass überholt, nachdem er mich dazu mit Handzeichen aufgefordert hatte. Kurz darauf machte ich eine Rauchpause an einem Rastplatz. Hier fuhr er dann wieder an mir vorbei. Ich glaube, er war auch froh Begleitung zu haben. Auf den letzten 30 km versuchte ich immer in seiner Fahrspur zu bleiben, da 10cm hoch neuer Sand aufgeschüttet worden war, der dem Motor die Kraft nahm. Die Spurbreite des Trucks war natürlich breiter, aber da sein Trailer zwillingsbereift war, konnte ich gut die Richtung halten, ohne im weichen Sand zu schwimmen. Die Landschaft hatte sich nach dem vorgenannten Pass in ein Fjell verwandelt. Die Farben waren jetzt gelb, orange und rot. Ich hatte durch mein Halten am Straßenrand einen Cariboo-Bullen mit großem Geweih vertrieben auf den schon ein Jäger mit Sportbogen angelegt hatte. Die privaten Hunters sind alle im Camouflage-Anzug unterwegs und schießen mit diesen Pfeilbogen, dessen Sehne mehrfach umgelenkt wird, auf alles was sich bewegt. Ich finde das absolut schrecklich und heimtückisch dazu. Aber das Jagen möchten sich die Nordamerikaner nicht verbieten lassen, auch wenn der letzte Elch dran glauben muß. In der Ebene ging es dann an den Franklin Bluffs vorbei. Das sind klippenförmige Kreidefelsen – sie schaffen den Übergang terrassenförmig von dem Fjell zur Ebene. Alles erinnerte mich stark an die Whitecliffs an der englischen Ostküste, aber diese Klippen standen im Grass, anstatt im Wasser. In Deadhorse angekommen, fuhr ich weiter meinem Trucker hinterher, bis dann schließlich ein Schild die Weiterfahrt für Privatfahrzeuge verbot. Ich kehrte um und fuhr zum Deadhorse Camp. Das ist ein Hotel für Geschäftsbesucher oder Mitarbeiter der Ölfirmen. Hier hatte ich beim Vorbeifahren schon einen kleinen Jeep mit Dachzelt gesehen. Dieser gehört Vanessa und Linho aus Rio Grande dol Sul/ Brasilien. Sie sind auf der Panamericana hier hoch gekommen. Ihre weitere „Volta al Mundo“(Weltumrundung) führt sie nach Wladivostok/Russland, China, Indonesien, Australien, Europa, Afrika und zurück nach Südamerika. Sie werden auf ihrem Blog cacadoresdesohnos.com.br noch viel zu berichten haben. Linho sagte mir dann auch, daß man im Hof hinter dem Deadhorse Camp übernachten darf. Sie hatten sich für morgen dort zum Frühstück angemeldet und mir empfohlen, das auch zu tun.