Hostal Zentrum Quito, EniGas Pifo, Cabañas Los Copales Shell, Castillo de Altura San Juan

Freitag 01.09.2017 Hostal Zentrum Quito

Lauter Verkehrslärm und eine Alarmanlage, welche ohne Grund alle halbe Stunde anspringt, wecken uns schon um halb sechs. Nach dem guten Zentralfrühstück packe ich den Liegestuhl aus und verbringe den Vormittag mit einem guten EBook. Am Nachmittag fährt ein roter Landy Defender 110 mit französischen Kennzeichen auf den Hof.


Nicolas und Marion aus Lyon haben ihr Fahrzeug nach Montevideo verschifft und die Panamericana im Süden begonnen. Das Fahrzeug ist ein ehemaliges Bombero-Kommandofahrzeug, welches Nicolas liebevoll ausgebaut hat. Abends ziehe ich mit Marc in La Mariscal um die Häuser. In einer alten Bar, welche gut aus den frühen 70er Jahren stammen könnte, genehmigen wir uns einen Canolasso. Marc empfiehlt dieses Nationalgetränk. Der Inhaber, ungefähr genauso alt wie seine Kneipe, bringt einen Plastikbecher mit warmen Mandarinensaft, angereichert mit einem undefinierbaren Schnaps. Das Getränk fährt voll ein. Im nächsten Laden schaffen wir noch zwei Bier und im übernächsten noch zwei Cuba Libra. Gut, dass wir den gleichen Heimweg haben; so können wir Schulter an Schulter um die richtige Richtung kämpfen.

Samstag 02.09.2017 Hostal Zentrum Quito

Den Tag gestalte ich gemütlich mit Reinemachen, sowie dem Einkauf von Zigaretten und ein paar Lebensmitteln im nahegelegenen Supermarkt. Außerdem gönne ich mir ein Stück Schwarzwälder von Mogens, dem Dänen in unserer Nachbarschaft. Als ich im Gritli die Verpackung öffne, sieht das Stück aus, als habe man es mit der Axt geteilt, aber es schmeckt sehr gut. Marc meldet sich. Er fragt mich, ob ich Lust habe mit ihm und Natalie, seiner Freundin, morgen in den Park auf dem ehemaligen Flugplatz zu gehen. Claro – kann Lizzy mit! Mit Lesen verbringe ich den Rest des Nachmittags und den Abend.

Sonntag 03.09.2017 Hostal Zentrum Quito

Auch heute habe ich das gute, umfangreiche Zentrum-Frühstück genossen, welches Gerd persönlich zubereitet hat.
Nachmittags holen mich Marc und Natalie zum Ausflug in den Park des ehemaligen Quito-Aeropuerto ab. Lizzy wird von einem Spielkameraden in den Teich geschupst, wo wir uns zum Chillen hingelegt haben. Sie ist wasserscheu und deshalb entsprechend angepisst.


In einem Grillrestaurant besorgt Marc ein ganzes, gegrilltes Hähnchen; ein Liter Hühnerbrühe ist im Preis eingeschlossen. Anschließend wechseln wir zum grossen Park in der Stadt. Marcs Freund, Marx aus Guyaquil, stößt zu uns. Er hat am Montag ein Vorstellungsgespräch für einen neuen Job und wird bei ihnen übernachten. Jeder darf Lizzy mal an der Leine führen, oder von ihr geführt werden.


Dann geht’s zum Panecillo, wo sich ein übergroßes Madonnen-Monument befindet. Das ist ein beliebter Ausflugsort, wo man beim Canolasso(Lightversion) das wunderbare Lichtermeer Quitos bewundert.





Dann fahren wir zur Basilika, wo wir noch zahlreiche Fotos des Bauwerks in der Dunkelheit knipsen.




Beim abschließenden Güggelifest in der schönen Wohnung von Marc und Natalie beschließen wir den Tag.

Montag Morgen 04.09.2017 Hostal Zentrum Quito
Montag Abend 04.09.2017 Planta Envasadore Enigas Pifo

Marc, Natalie und Marx kommen zum Frühstück und Abschied ins Hostal Zentrum. Nicolas und Marion verabschieden sich; sie wollen nach Mindo in den
Regenwald. Dann heisst es auch für mich Abschiednehmen. Marc und ich wollen uns unbedingt in Deutschland wieder sehen – eventuell ein Wochenende zusammen campen gehen. Gerd nimmt mich in den Arm und meint, ich wäre ein guter Kerl. Ich mag ihn auch. Mein nächstes Ziel ist EniGas, wo ich meine Gasflaschen „sicher“ füllen lassen will. Um 11:30 bin ich vorort. All meine Geduld ist gefragt. Abgefertigt mit üblicher(passender) Pistole bin ich erst um 19:30. Die Kosten belaufen sich auf 20$. Trotzdem bin ich zufrieden, da ich mit dem Propan 2 Monate auskommen sollte. Ich verbringe die Nacht vor der Planta de EniGas bei den Lastwagen, die auf die morgige Abfertigung warten. Die Nacht ist sehr ruhig. Lediglich die nachrückenden Trucks sorgen kurzfristig für etwas Lärm.

Dienstag Morgen 05.09.2017 Planta Envasadore Enigas Pifo
Dienstag Abend 05.09.2017 Cabanas Los Copales Shell

Um 05:30 stehen wir auf und frühstücken. Bevor es zurück Richtung Quito geht, versucht Lizzy wieder mal auszureißen. Aber nachdem ich S’Gritli angelassen und gewendet habe, kommen ihr doch Bedenken und mit gutem Zureden kommt sie dann endlich angeschlendert. Unser neues Ziel sind die Cuevas de Jumandy. Wir erleben eine schöne, anspruchsvolle Bergfahrt. Es gilt die Kühltemperatur zu beachten. Auf der Passhöhe der Via Pifo Papalacta(4060müM) genieße ich die schöne Aussicht auf den Cayambe, einen der höchsten Vulkane Ecuadors, mit dichter Schneekappe.


Auf der Talfahrt gönne ich mir ein zweites Frühstück am Lago Papalacta.





Die Fahrt Richtung Cuevas de Jumandy führt durch Regenwaldberge und vorbei an einigen Wasserfällen. Nach längerem Suchen finde ich endlich die iOverlander-empfohlenen Cabanas Los Copales in Shell fürs Nachtlager. Die junge Dame begrüsst mich freundlich. Aber ihre zwei Bullterrier nutzen meine Unachtsamkeit für eine Beissattacke auf meine Schuhe und meinen rechten Knöchel. Dazu kommt als Mitläufer noch ein Golden Retriever. Endlich kommt der Sohn des Wirtes, der die Hunde im Griff hat und hängt sie an die Kette. – ich kann Kettenhunde nicht leiden, aber was kannst Du sonst mit solchen gestörten Kreaturen anfangen. Als Wiedergutmachung darf ich die warme Dusche in einer Cabaña nutzen. Es wird eine laute Nacht mit viel Gebell.

Mittwoch Morgen 06.09.2017 Cabanas Los Copales Shell
Mittwoch Abend 06.09.2017 Castillo de Altura San Juan

Am Morgen grüßt mich der Inhaber sehr freundlich. Die Hundeattacke ist im peinlich. Es folgt ein sympathischer Abschied von der ganzen Familie. Mein neues Ziel ist der erloschene Vulkan Chimborazo.





Am Manto de la Novia(Canopy unterhalb der Wasserfälle) mache ich Halt. Die Fahrt führt auch heute über steil ansteigende Straßen durch den Regenwald. In Banos kehre ich zum Almuerzo(Mittagessen) ein.


Der Wirt gibt mir den Rat, die Naturstrasse in die Hochebene über Pailitas, vorbei am El Altar über Penipe und La Candelaria nach Riobamba einzuschlagen. Diese Strasse fahre ich mit der Allrad-Untersetzung, da das Gelände steil und die Fahrspur rauh ist. Ich genieße die faszinierende Andenlandschaft und mache manchen Halt, um die Szenerie aufs Foto zu bannen.






Von Riobamba geht es weiter Richtung Chimborazo bis nach San Juan, einem beschaulichen Weiler. Die Zielangabe von iOverlander scheint falsch zu sein. Jedenfalls sehe ich kein Castillo oder Haus, das dem Eingang eines Campingplatzes ähnelt. Auf der Straße suche ich in der App einen neuen Platz für die Nacht, als auf der Gegenspur ein Fahrzeug hält. Er fragt mich, ob er helfen kann. Ich nenne ihm den Platz, den ich suche. Er bittet mich zu wenden und ihm zu folgen. Juan Castillo führt mich von der Strasse zu seinem Grundstück. Dort zeigt er mir den kleinen Platz hinter dem Haus, welcher mit allem Notwendigen ausgestattet ist. Zuerst soll ich aber mit ihm ins Haus kommen, wo er mich zum Essen und Bier einlädt. Beim netten Gespräch mit ihm und seinem Sohn Juan Elias bietet er mir an, mich morgen zum Chimborazo zu chauffieren und mich zu
begleiten.

Hostal Zentrum Quito und La Bicok Mindo/ Ecuador

Montag 28.08.2017 Hostal Zentrum Quito

Gestern sind Myrta und Ueli von den Galapagos zurückgekommen. Sie sind sehr zufrieden mit ihrer Reise. Sie haben auf der 7-Tage-Kreuzfahrt viele seltene Tierarten beim Schnorcheln und bei Landgängen entdeckt. Das Schiff war komfortabel und die Crew freundlich. Sie sind rundum zufrieden. Heute morgen scheint die Sonne, also war meine Entscheidung richtig, die Seilbahnfahrt auf heute zu verschieben. Marc hat bei der Seilbahngesellschaft die Möglichkeit der Hundemitnahme bestätigt bekommen. Er besorgt mir auch ein Taxi, welches mich und Lizzy zur Talstation bringt.










Dafür, daß sie zum ersten Mal in einer Seilbahn fährt, ist sie ziemlich entspannt. Oben angekommen, machen wir uns auf den Weg, das Gelände um die Bergstation zu erkunden. Auf einem Rundweg mache ich Fotos in alle Himmelsrichtungen. Ein Einheimischer hat zwei Guanacos am Weg platziert, welche man für 50 Cent auch mehrfach fotografieren darf.


Nach einer Stunde und einem feinen Cappuccino begeben wir uns dann zur Talfahrt. Zurück am Hostal versorge ich Lizzy mit Futter und Wasser, um gleich nochmal loszuziehen. Die Tastatur des iPads hat einen Wasserschaden. Ich werde fündig und hoffe, daß somit das Blogschreiben wieder einfacher wird. Am Abend lädt mich Marc auf ein Bier an der Plaza El Foch ein. Zuvor hilft er mir beim geplanten Kauf einer ecuadorianischen Simkarte. Leider funktioniert die Freischaltung nicht. Ich werde es später nochmal probieren – ich muss unbedingt die teuren Telefongebühren der Telekom vermeiden. Es wird spät und der Heimweg zieht sich, aber es war ein gemütlicher Abend.

Dienstag Morgen 29.08.2017 Hostal Zentrum Quito
Dienstag Abend 29.08.2017 La Bicok Mindo

Ueli und Myrta sind schon früh abfahrbereit. Ich lasse mir heute Zeit fürs Aufräumen, Putzen, Wassertank füllen etc. Bis zum Krater in Pululahua sind es knapp siebzig Kilometer auf gut ausgebauter Straße. Gegen elf verabschiede ich mich von Gerd, Marc und den zurückbleibenden Gästen. Schon bald passiere ich Mitad del Mundo, den offiziellen Mittelpunkt der Erde.








Das Museum mit Monument werde ich mir nach meiner Fahrt durch den Pululahua-Krater anschauen. Der Parkwächter des Eco-Resorts Pululahua lässt uns allerdings nicht passieren. Die Mitnahme von Haustieren in das Naturschutzgebiet ist nicht erlaubt. Ein paar Fotos vom Kraterrand will er mir aber nicht verwehren.




Da die Kratersenke im dichten Nebel liegt, verpassen wir Gottseidank nicht viel. Das Museum in Mitad del Mundo ist sehr informativ. Leider muß auch hier Lizzy draussen bleiben. Auf dem Weg nach Mindo sehe ich vor mir einen Pickup mit Popup-Kabine. Es ist der Ford von Cate und Will aus Wyoming. Wir haben uns bereits in Panama-City und Guatepe/ Kolumbien getroffen. Als Will zum Tanken hält, fahre ich ebenfalls raus. Die Beiden wollen zum La Bicok Camping in Mindo. Diesen Platz hatte ich mir auch schon angeschaut und so verabschieden wir uns mit einem „See you later“. La Bicok ist ein sehr schöner Platz im Regenwald von Mindo. Sebastien, der französische Besitzer, ist Architekt und hat diesen Platz mit Liebe aufgebaut. Er führt ein Hotel mit Cabañas und Restaurant. Es gibt einen schönen, kleinen Pool. Die Stellplätze verfügen über Wasser- und Stromanschluss. Duschen und Toiletten sind gepflegt und sauber.








Cate und Will treffen eine halbe Stunde später ein und belegen meinen Nachbarplatz. Ich koche mir eine doppelte Portion Pasta mit Chorizo-Tomatensauce und schon bald ist es Zeit, das Bett für die Nacht zu richten.

Mittwoch 30.08.2017 La Bicok Camping Mindo

Der Tag vergeht mit Hundespaziergängen und Lesen. Am Abend bereite ich mir einen Elsässer-Wurstsalat mit ecuadorianischem Fleischkäse(Cancho). Okay- es kann ja nicht alles klappen!

Donnerstag Morgen 31.08.2017 La Bicok Camping Mindo
Donnerstag Abend 31.08.2017 Hostal Zentrum Quito

Wie schon gestern habe ich mich zum Frühstück angemeldet. Es gibt Müsli mit frischen Früchten, zweierlei Fruchtmarmelade, Crêpes und Weißbrot sowie Rühreier mit Tomaten. Anschließend zahle ich die Rechnung. Nachdem Zusammenpacken geht es auf der selben Straße zurück wie ich hergekommen bin. Ich habe mich nochmals für eine Nacht im Hostal Zentrum entschlossen. Als ich eintreffe reisen gerade Francis und Johanna, das irisch-deutsche Pärchen ab. Sie wollen nach Kolumbien und dann die Reise zurück nach Santiago de Chile antreten, wo sie ihren Toyota gekauft haben. Diesen wollen sie vor ihrem Flug zurück nach Deutschland dort wieder verkaufen. Als ich mich eingerichtet habe, gehe ich zum verspäteten Mittagessen in das günstige Restaurant in der Nachbarschaft, wo man ein Mittagessen mit Suppe und Limonade für 2.50$ bekommt. Marc ist auch vorort. Ausserdem begrüsst mich ein junges Schweizer Paar. Er ist Zimmermann und kommt aus Bern – seine Freundin aus Zug. Auch sie werden nach Kolumbien wieder die Südrichtung einschlagen.

Finca Sommerwind Ibarra und Hostal Zentrum Quito/ Ecuador

Montag 21.08.2017 Finca Sommerwind Ibarra/ Ecuador

Die Nacht war kühl. Der heiße Café, ein reichhaltiges Frühstück und eine warme Dusche weckt die Lebensgeister. Der heutige Tag wird bestimmt vom waschen und versorgen der Wäsche. Als die Pflicht erfüllt ist, entspanne ich mich bei einem guten Buch unter der Markise auf meinem Liegestuhl.


Die Abende sind kurz, da es um sechs dämmert. Um neun habe ich dann die nötige Bettschwere und beschließe den Tag nach weiterer Lektüre.

Dienstag 22.08.2017 Finca Sommerwind Ibarra/ Ecuador

Heute habe ich mit Lizzy eine schöne Wanderung um den Jahuarcocha-See unternommen. Begleitet werden wir von 2 Sommerwindhunden.





Sie sind einfach durch den Zaun geschlüpft und uns vorausgelaufen. Anfangs sind sie Autos hinterher gejagt, aber nachdem ich Lotta, das Weibchen zusammengestaucht habe, haben sie mich beim Auftauchen eines Autos stets zuerst angeschaut und sich dann nach meinem „No“ gerichtet. So wird es dann auch eine entspannte Wanderung mit schönen Ausblicken und einer ruhigen Mittagseinkehr auf halber Strecke. Kurz vor dem Ende der Runde begegnen wir dann Hans, dem Inhaber von Sommerwind, welcher uns in seinem Pickup zur Finca mitnimmt .

Mittwoch Morgen 23.08.2017 Finca Sommerwind Ibarra
Mittwoch Nachmittag 23.08.2017 Hostal Zentrum Quito/ Ecuador

Ich lasse es ruhig angehen. Die heutige Tagesstrecke beträgt nur 130km.

Christof und Billiana aus Zürich
Französische Overlander Familie
Helmut und Silvia aus Mühlhof/Bayern

Nach einem herzlichen Abschied von Patricia, Hans, Jöris und Nadine, dem sympathischen Sommerwind-Team und all den Hunden mache ich mich auf den Weg nach Quito.


Natürlich geht es durch die Berge, aber die Panamericana ist auch hier in einem tadellosen Zustand und mit dem neuen Getriebe ist es ein ganz neues Fahrgefühl.
Unterwegs genieße ich bei einer Gärtnerei mit schönem Café ein zweites Frühstück.

Vor Quito wird die Straße nochmals steiler und der Verkehr nimmt zu. Bereits vor 3 Tagen hatte ich Gerd Jacobsen, dem Eigentümer des Hostal Zentrum eine Reservierung geschickt. Die Adresse hatte ich von Werner und Inge aus Samaipata/ Bolivien. Gerd ist ein 87-jähriger Hamburger und wurde auf der Reeperbahn geboren. Dort hat er einen Großteil seines Lebens verbracht und gutes Geld verdient. Dieses investierte er dann in dieses Anwesen, das heutige Hostal Zentrum.






Seit Jahrzehnten ist er unermüdlich um das Wohl seiner Gäste bemüht. Als ich am Ziel eintreffe und einparke, kommt auch schon Marc, die rechte Hand von Gerd heraus und ruft: „Lueg do! S’Gritli – und au no vo Lörrach“. Marc ist aus Grenzach und arbeitet seit 2 Jahren in Quito – mal für einen örtlichen Reiseveranstalter mit deutschem Besitzer, in letzter Zeit jedoch hauptsächlich fürs Hostal Zentrum. Er ist der beste Beweis, wie klein die Welt eigentlich ist. Bei der Einfahrt durchs Tor sehe ich gleich Uelis und Myrtas Toyota.


Sie haben das Fahrzeug hier für 10 Tage abgestellt, um per Flugi die Galapagos zu erkunden. Bei Gerd gibt es alles: 220 Volt ab der Schuko-Dose, ein reichhaltiges Frühstück, Aufenthaltsraum, Sonnenterrasse und Baños mit Dusche nur für mich allein. Wenn Gerds Gäste auf einen frühen Flug müssen, steht er schon mal um zwei Uhr nachts auf, um das Frühstück zu richten. Am Abend sitze ich noch auf ein Bier mit Gerd, Mark und Harald, dem Dauergast aus Lübeck, am runden Tisch zusammen zu einem Klönschnack.

Donnerstag 24.08.2017 Hostal Zentrum Quito

Gerds Frühstücks-Buffet bietet Milchkaffee, Müsli, Joghurt, frische Brötchen, Marmelade, Wurst/Käse und Spiegeleier mit Speck -hmm-lecker! Genau in dieser Reihenfolge genieße ich es. So gestärkt halte ich vor dem Hostal ein Taxi an, welches Lizzy und mich ins Centro Historico von Quito bringt.









Die Kleine läuft vorbildlich an der Leine, aber die Leute sind angeleinte Hunde nicht gewohnt. Wir finden kein Straßen-Café, wo wir uns in den Schatten setzen können, um ein paar Karten(welche es auch nirgends zu kaufen gibt) zu schreiben. In den anderen Restaurants sind Hunde nicht erlaubt. Nach ein paar Fotos und dem eineinhalb-stündigen Erkunden von Plätzen und Gassen winke ich dann einem Taxi, welches uns zum Hostal Zentrum zurückbringt. Im Grossen und Ganzen ist Quito für eine Hauptstadt sehr entspannt – keine Spur von europäischer Hektik.

Freitag 25.08.2017 Hostal Zentrum Quito

Am Morgen mache ich mit Lizzy einen Spaziergang im naheliegenden Park. Harald reist heute ab. Er hat mir gestern seine Visitenkarte überlassen und mich eingeladen vorbeizukommen, wenn ich nach Baños komme. Mit Marc unterhalte ich mich über gemeinsame Bekannte aus dem Landkreis Lörrach. Das sind nicht wenige, da er beim TC Roche in Grenzach aktiv Tennis gespielt hat. Am Nachmittag gehe ich mit Gerd zum Einkaufen in einen nahegelegenen Supermarkt. Es ist schon bewundernswert, wie Gerd das mit 87 Jahren ohne Probleme bewältigt.

Samstag 26.08.2017 Hostal Zentrum Quito

Nach dem Frühstück mache ich mich an die Reparatur des letzten Moskitogitters. Schön, dass das Rollo Überlänge hat und ich nur das hitzebeschädigte Material nachschneiden und neu einziehen muß. Marc kommt auf eine Zigarette vorbei. Toll, wie er sich um die Gäste kümmert und mit Rat und Tat zur Seite steht.

Sonntag 27.08.2017 Hostal Zentrum Quito

Glen, der australische Biker reist heute ab. Sein Ziel ist Cuenca. Glen hat 14 Jahre in New Mexico/ USA gewohnt und gearbeitet. Nun besteht sein Leben aus Reisen. Auch er will ganz in den Süden nach Ushaya. Anschließend geht es nordwärts nach Buenos Aires. Wie es dann weiter geht, weiß er noch nicht. Gut möglich, dass er das Bike nach Deutschland verschickt, um über Russland die Seidenstraße zu erkunden. Eigentlich wollte ich heute mit Lizzy die Teleferico(Seilbahn) zu Quitos Hausberg, dem Cruzloma(3945 müM)nehmen. Leider liegt der Gipfel im Nebel. Soll ich es abhaken, oder morgen versuchen? Ich weiß es noch nicht. Eigentlich wollte ich morgen weiter nach Pululahua. Das ist ein erloschener Vulkankrater, auf dessen Grund dort ansässige Bauern den fruchtbaren Boden bewirtschaften. Heute sollen Ueli und Myrta von den Galapagos zurückkehren. Ich bin schon gespannt, was sie so alles erlebt haben.

Harold Silvas Trailer Factory Bogota, Hostal La Serrena Salento, Parqueo Teleferico Las Lajas/ Colombia, Café Sommerwind Ibarra/ Ecuador

Weil ich das Geschehene nicht überbewerten, sondern rasch hinter mir lassen will, fasse ich die Ereignisse der Zeitspanne von 3 Wochen(31.07. bis 20.08.) zusammen:

Am Montag des 31. Juli sind kleine Restarbeiten am Getriebe zu erledigen; ausserdem soll eine neue Solarbatterie montiert und die Wynen Gasflaschentanks gefüllt werden. Lucho hat den Fehler bei der 4×4-Kontrollanzeige bald gefunden und behoben. Der Solar-Spezialist montiert die Panasonic Solar-Gelbatterie. Sie ist etwas kleiner als die vorhergehende und muß noch extra fixiert werden. Der Preis liegt auf europäischem Niveau. Wenn sie 10 Jahre hält, wie die letzte, ist daran nichts auszusetzen. Kurz nachdem dies erledigt ist, fährt die Firma ColGas auf den Parkplatz. Man füllt meine Gastanks indem eine normale Gasflasche Überkopf an meine erste Flasche angeschlossen wird. Das ist das übliche Vorgehen und funktioniert normalerweise problemlos. Der Versuch, meine Zweierkombination zu füllen, scheitert allerdings mangels Druck in der ColGas-Flasche. Die erste Flasche füllt der Fahrer des Fahrzeugs indem er immer wieder Druck am Handradventil der Wynen-Flasche ablässt. Das Verhängnisvolle daran ist, daß das Luftgasgemisch den Weg in das Innere der Kabine findet. Man bittet mich, die Funktion am Herd zu überprüfen. Die Folge ist eine Gasverpuffung. Ich verbrenne mir die linke Hand mittelschwer; die rechte Hand, Nase und Lippen leicht.

Nach 2 Besuchen in der Notfallaufnahme kann ich dann am Mittwoch Bogota hinter mir lassen.


Der erste Nachtstopp ist der Parador Turistico Patia; ein Restaurant mit Swimmingpool und Cabañas.

Da es schon dunkelt, reicht es nur noch zum Einrichten und anschließendem Nachtessen. Anschließend ist Nachtruhe angesagt. Am Ende des nächsten Tages finde ich nach schöner Bergfahrt vor Cali das Hostal La Serrena auf der iOverlander-App. Die angebenden 21km zum Ziel sind zu 2 Dritteln Naturstraße, welche mich in eine schöne Bergwelt inmitten von Café-Fincas führt. Die Cabañas und Dorms sind gefüllt mit Backpackers.



Hier bin ich mit dem Gritli ein Exot; gerne beantworte ich die Fragen nach dem Woher und Wohin. Am Sonntag kann ich gemäß der Ärztin den Verband abnehmen. Die Hand sieht zwar immer noch grauslich aus; aber ich bin schmerzfrei. Nach dem Frühstück fahre ich auf der Naturstraße zurück Richtung Cali; das heutige Ziel ist Rumichaca an der ecuadorianischen Grenze. Bei der Bergfahrt gleich nach Cali hat sich ein Unfall ereignet.

In Kolumbien ist das gleichbedeutend mit 2 Stunden Verzögerung, da keiner der Unfallgegner seinen Blechschaden von der Straße fahren will. Jeder will wortkräftig und gestenreich seine Position kundtun.



Am späteren Nachmttag erreiche ich Las Lajas. Hier empfiehlt iOverlander den Parkplatz einer Seilbahn oberhalb der Stadt, mit der man zur geschichtsträchtigen Kathedrale fahren kann.

Dazu ist es schon zu spät, aber der Platzwart läßt mich gratis übernachten; ich kann sogar die Toiletten der Bergstation nutzen. Das Einfahrtstor zum bewachten Parkplatz wird nachts verschlossen. Wir verbringen eine ruhige Nacht und nehmen früh die letzten 8km zum Grenzübergang nach Ecuador in Angriff. In Rumichaca angekommen, gehe ich gleich zum Schalter der DIAN(Zoll) und melde S’Gritli in Kolumbien ab. Der zweite Gang geht zur Migrationsbehörde. Hier stellt man fest, dass ich das Visum 2 Tage überzogen habe. Ich soll anhand einer Ökosteuer Strafe zahlen. Aber am Sonntag geht das nicht, weil der Betrag auf einer Bank eingezahlt werden muss. Ich kann das abwenden, muß aber ersatzweise einen einstündigen Papierkrieg führen. Schließlich stehe ich aber doch am Schalter der ecuadorianischen Immigration. Hier geht alles so schnell, dass ich den Überblick verliere. Ich reiche dem Beamten meinen Reisepass, S’Gritlis Fahrzeugschein und Lizzy’s Impfpass. Er stempelt den Reisepass und trägt 90 Tage Visum ein und gibt mir alles zurück. Auf meine Frage, ob das alles wäre, antwortet er mit „Claro“! , worauf ich bemerke: „mui rapido“. Leicht irritiert verlasse ich das Gebäude – war das wirklich schon alles? (Am nächsten Tag fahre ich von Ibarra zurück nach Rumichaca um das DIAN-Papier für Ecuador ausfüllen zu lassen ?). Zurück auf der Panamericana nehme ich Kurs auf Ibarra. Die Fahrt führt über eine sehr guten Autobahn durch die Berge. Nach eineinhalb Stunden erreiche ich das „Café Sommerwind“, das heutige Ziel. Patricia, die Inhaberin von Café und Campsite bietet mir einen Platz neben Marc und Dela an. Sie wohnen in Frankfurt und führen seit einem Jahr eine Mischehe – sie hat deutsche, er holländische Staatsangehörigkeit?. Sie fahren einen schönen Toyo HZJ mit DesertTec-Aufbau. Und wer kommt denn da um die Ecke? Ueli und Myrta, auch Toyo-Fahrer, welche ich zuletzt in Guatavita getroffen habe. Außerdem steht auf dem Platz S’Heimedli, der Iveco von Toni und Nelly aus dem Kanton Nidwalden.

Wir hatten zusammen auf dem Zentralparkplatz in Guatepe übernachtet. Nun sind sie für 3 Wochen nach Hause geflogen, um nach dem Rechten zu schauen. Patricia und Hans haben da einen wunderschönen Platz in traumhafter Lage geschaffen.








Gegenüber der Straße ist ein kleiner Rundkurs für Motorsportler, der unter der Woche kaum befahren wird. Daran schließt ein schöner See, hinter dem sich Berge und 2 Vulkane erheben. Einer davon ist der Imbabura mit 4557m Höhe, der andere der etwas niedrigere Cotacachi mit gleichnamiger Ortschaft. Die Tagestemperatur beträgt hier zwischen 20 und 25 Grad. Nachts hat es eine angenehme Schlaftemperatur von 10 Grad. Hier gibt es Pilsner Bier, wunderbaren Kuchen und selbst gebackenes Brot – also viele Gründe um ein paar Tage hier zu bleiben!

Hotel Casa Boquero Sabana de Bogota und HAROLD SILVA’s TRAILER FACTORY BOGOTA

Montag Morgen 24.07.2017 La Huerta Campingplatz Guatavita
Montag Abend 24.07.2017 Hotel Casa Boquero Sabana de Bogota

Am Montagmorgen nach dem Zusammenpacken verabschiede ich mich von Hugo und seiner Familie und bedanke mich für die familiär-freundliche Aufnahme. Um neun sind wir auf dem Weg nach Bogota. Das erste Ziel ist Rafael Torres, der Mechaniker, welcher S’Gritli wegen einem Angebot für die Getriebemontage sehen und fahren will. Wir diskutieren über meine Probleme mit der Freigabe meines Getriebes durch den Zoll. Rafael nimmt auch gleich sein Handy zur Hand und macht sich, wo auch immer, schlau. Sein Urteil und Vorschlag ist, in Bogota ein anderes Getriebe zu besorgen. Darüber muß ich zuerst mal nachdenken. Diese Zusatzkosten habe ich absolut nicht auf dem Plan. Da es bereits zwölf ist, entscheide ich mich zur Einkehr beim nahegelegenen McDonalds. Hier kann ich auch gleich meinen Emaileingang überprüfen, außerdem telefoniere ich mit Andi. Was mir schon die ganze Zeit durch den Kopf geht, ist genau das, was sie mir nun empfiehlt. Ich soll die Deutsche Botschaft anrufen und um Unterstützung bitten. Noch im Mac suche ich mir die Adresse der Botschaft heraus und gebe sie im Navigationsprogramm ein. Als ich an dem Wolkenkratzer ankomme, frage ich einen Security-Guard nach Parkmöglichkeiten.

Er empfiehlt mir den Supermarkt-Parkplatz gegenüber. Ich überquere die Straße und betrete die Sicherheitsschleuse im Erdgeschoß. Schon stehe ich vor der Anmeldung zur Botschaft. Man meldet mich an, obwohl anscheinend bereits Feierabend ist. Schließlich meldet sich der Konsul-Stellvertreter Herr Genz am Telefon. Nachdem ich ihm mein Problem geschildert habe, fragt er mich, wo ich mich denn jetzt befinde. Ich erkläre ihm, daß ich im Erdgeschoß am Empfang bin. Worauf er meint, daß ich dann ja genauso gut heraufkommen könne. Claro! Nachdem ich meinen Rucksack abgegeben habe, bittet man mich in ein Besprechungszimmer. Herr Genz ist in Begleitung von Frau Sabine de Grajales. Sie ist die Verbindungsbeauftragte des deutschen Zolls im Auswärtigen Amt. Nachdem ich den beiden sympathischen Botschaftsangehörigen mein Leid geklagt habe, bespricht sich Herr Genz kurz mit Frau Grajales. Sie sichert mir auch gleich ihre Unterstützung zu. Wir vereinbaren, daß ich sie bei weiteren Schwierigkeiten anrufe. Sie wird dann jeweils entscheiden, wie weiter vorgegangen wird. Ich bin erleichert und verabschiede mich nachdem ich mich bedankt habe. Zurück am Gritli gehe ich zuerst noch im Supermarkt einkaufen. Anschließend finde ich im iOverlander die Adresse eines Hotels mit sicherer Parkmöglichkeit, welches nur 5km vom Airport entfernt ist. Dort befindet sich auch die kolumbianische DIAN-Steuerbehörde – meine nächste Anlaufstelle. Im Hotel Casa Boquero buche ich ein günstiges Zimmer, schlafe im Gritli, kann aber WC und Dusche, sowie das WiFi nutzen.

Dienstag 25.07.2017 Hotel Casa Boquero Sabana de Bogota

Der Besuch bei der DIAN ist geprägt von Hoffnungen und Enttäuschungen. Es würde den Rahmen sprengen, hier die Wege, Gespräche und Wartezeiten aufzuzählen.

Nur soviel – wer sich über die deutsche Bürokratie beschwert, sollte nach Kolumbien reisen. Er würde geläutert heimkehren. Ohne einen Schritt weitergekommen zu sein, kehrte ich abends erschlagen ins Hotel zurück.

Mittwoch und Donnerstag 26.und 27.07.2017 HAROLD SILVA’s TRAILER FACTORY BOGOTA

Auch diese beiden Tage verlaufen nach dem oben beschriebenen Muster. Zwei Dinge haben sich allerdings entscheidend geändert:

1.) Frau Grajales von der Botschaft stellt mich durch ihre Unterstützung immer wieder auf.
2.) Harold und Angela Silva sind wunderbare Gastgeber.

Nach einem erfolglosen DIAN-Besuch finde ich die Adresse von Harold Silva in der iOverlander App. Ich zweifle zuerst, denn diese ist 20km vom Airport entfernt.

Dennoch entschließe ich mich, hier vorbeizuschauen. Ausser einem großen, abgeschlossen Parkplatz für Autos und Busse besitzt Harold eine Werkstatt, wo er Anhänger und Trailer baut. Er hat beste Kontakte zu unterstützenden Firmen und organisiert für heute Abend einen Mechaniker, welcher ihn bei der Getriebemontage unterstützen soll, sowie für morgen einen mit Solarmodulen vertrauten Techniker, welcher sich meinem Problem der schnellen Batterie-Entladung annimmt. Das Ehepaar Silva lebt den Begriff „Gastfreundschaft“. Harold hat ein offenes Ohr für meine Probleme – seine Frau Angela verwöhnt mich mit Café und Essen. Hier kann ich mein Stromkabel einstecken, habe Wifi und Lizzy kann auf dem Parkplatz ihre Runden ziehen. Wir koppeln Lizzy mit der Leine an Benny, den Hund der Familie Silva. Die beiden spielen und tollen durch die Gegend und sind sich von Anfang an „grün“. Am Abend sattle ich die Wohnkabine ab, weil ich hoffe, daß morgen eine Entscheidung zu meinen Gunsten fällt und ich das Getriebe mitnehmen kann!?!

Freitag 28.07.2017 HAROLD SILVA’s TRAILER FACTORY BOGOTA

Der Tag beginnt im DIAN-Büro beginnt ganz anders, wie erhofft. Die Sachbearbeiterin von BLU entschuldigt sich per Email. Sie könne mich nicht bei der DIAN treffen, weil immer noch eine Autorisierung von Iguana 4×4 fehlt. Was mache ich jetzt? Bei BLU ist wie immer keiner zu erreichen. Grundsätzlich nimmt man meine Anrufe nicht entgegen. Also versuche ich mich bei der DIAN anzumelden. Man wimmelt mich ab, Herr Lopez hätte heute frei und es wäre kein Stellvertreter vorgesehen. Ich soll mich einen Stock höher anmelden. Nun stehe ich vor dem Schreibtisch einer Dame, bei der ich mich beim ersten Besuch angemeldet habe und in der Wartereihe sitzen weitere 20 Besucher. Wie gehts weiter? Ich drehe um und verlasse das Gebäude, weil ich eine Zigarette brauche, weil ich total frustriert bin und … überhaupt. So eine Sch…?! Nach der Zigarette am Pickup werde ich etwas ruhiger. Ich erreiche Frau Grajales – sie ist immer gleich nach dem ersten Ton am Telefon. Ich schildere ihr die verfahrene Situation. Sie kennt eine Führungskraft bei der DIAN und diese will sie jetzt anrufen und um Unterstützung für mich bitten. Sofort nach ihrer Abklärung ruft sie mich zurück und gibt mir die Namen der möglichen Personen, an die ich mich wenden kann. Ich frage nach dem Büroleiter; natürlich soll ich der Empfangsdame einmal mehr meine ganze Geschichte erzählen. Aber der Büroleiter hat das in seinem Büro mitgekriegt. Dann geht alles ohne weitere Erklärungen ab. Mir wird eine Sachbearbeiterin, Senora Isabell, zugeteilt. Sie geht mit mir die Wege, die noch zu gehen sind und das sind viele. Es geht auch nicht ohne Probleme ab – natürlich steigt das EDV-System aus. Aber es geht voran. Nachmittags um Vier habe ich tatsächlich die Papiere für die Zona Franca in der Hand. Freitag nachmittags um halb Fünf ist auf Bogotas Straßen die Hölle los. Abgekürzt: Nachts um zwanzig nach Neun passiere ich die Zollschranke. Ohne Senora Isabell und den Zollinspektor Senor Orlando wäre das nicht möglich gewesen.
Und auf der Pritsche ……. mein Getriebe???!!! Die zwanzig Kilometer zu Harold verbringe ich in bester Stimmung. Dort angekommen, trinke ich erstmal ein Bier und lasse den Tag noch Mal vor dem geistigen Auge ablaufen. — ICH GLÜCKSPILZ —

Samstag 29.07.2017 HAROLD SILVA’s TRAILER FACTORY BOGOTA

Ich habe verschlafen. Um acht sitze ich beim Frühstück und höre Harold nach mir rufen.
In einer halben Stunde kommt ein Mitarbeiter eines Solarfachgeschäftes vorbei, um die Größe und den elektrischen Widerstand der Batterie auszumessen und um Zehn kommt Lucho, der Freund und Mechaniker von Harold, um mit dem Einbau des Getriebes zu beginnen. Obwohl ich noch nicht richtig im Schwung bin, freue ich mich über Harolds Nachrichten. Tatsächlich ist die Gelbatterie hinüber und ich bestelle eine neue, welche am Montag Nachmittag um Zwei montiert werden soll. Ich unterstütze Harold und Lucho unter der Arbeitsbühne. Ein langer Tag – aber um Zehn Uhr abends ist alles erledigt. Die Beiden haben geackert und geschafft – es war eine wahre Freude – und Geli hat uns mit Spaghetti mit Hühnchen-Bolognese und Eis mit Waffeln verwöhnt. Als die Rechnung bezahlt ist, ziehe ich mich zurück. Diese Menschen sind echte Freunde – das werde ich ihnen nie vergessen.

Sonntag 30.07.2017 HAROLD SILVA’s TRAILER FACTORY BOGOTA

Um sechs bin ich wach. Lizzy will auch schon gleich raus. Dann mach ich es mir beim Frühstück gemütlich. Es gibt Toast mit Bonne Maman Pflaumenmarmelade – Lizzy schmeckt das auch! Ich binde sie draussen an und mache mich ans Aufräumen. Die letzten Tage ist das etwas zu kurz gekommen. Das Geschirr habe ich turmartig gestapelt. Als das erledigt ist, schnappe ich die kleine Lizzy und heb sie ins Auto. Wir machen eine Probefahrt. Das 4×4-Kontrolllicht ist falsch angeschlossen, aber die Gänge schalten sich wie bei einem neuen Fahrzeug. Toll ?! Der Nachmittag vergeht mit Lizzy-Kraulen und spielen. Außerdem koche ich Kartoffeln. Heute Abend gibt es argentinische Bratwürste mit Kartoffelsalat.

Iguana 4×4, Truckstop Wipama, Truckstop an der „45A“, La Huerta Camping

Samstag Morgen 15.07.2017 Iguana 4×4 Baranquilla
Samstag Abend 15.07.2017 Hotel und Truckstop Wipama Aguachica

Der Samstag-Vormittag zieht sich zäh; erst gegen Mittag kommen meine Räder vom Reifenaufziehen und Auswuchten zurück. Der Nebelrückscheinwerfer läßt sich auf die Schnelle nicht reparieren, da anscheinend ein Kabelunterbruch im System besteht. Auch egal ?. Das Ding habe ich auf der ganzen Reise noch nicht gebraucht. Ich nehme die Stadtautobahn Richtung Santa Marta. Über Cieniaga geht es auf gut ausgebauter Straße Richtung Bogota. Am Truckstop Wipama an der Autobahn „45“ wird es um fünf auch schon dunkel.

Nach und nach trudeln LKWs ein, welche ebenfalls hier ihre Fahrt unterbrechen. Nach dem Abendessen und einem anstrengenden Nachmittag lege ich mich schlafen.

Sonntag Morgen 16.07.2017 Hotel und Truckstop Wipama Aguachica
Sonntag Abend 16.07.2017 Restaurant und Truckstop an der „45A“ 42km vor Bogota

Den Wecker habe ich auf fünf gestellt, da wir gestern nicht ganz die halbe Strecke nach Bogota geschafft haben. Ich koche Kaffee und lasse zwischenzeitlich Lizzy zum Pippi raus. Kurz gehe ich rein, um mir eine Zigarette anzustecken; als ich wieder rauskomme ist die Kleine schon in der Dunkelheit verschwunden.

Ich kann ihr das einfach nicht abgewöhnen, jedesmal büchst sie aus. Der Parkplatz ist groß, also „take it easy“. Aber auch nach der Tasse Kaffee taucht sie nicht auf. Ich schaue unter jedem LKW, aber sie bleibt verschwunden. ? – Alarm. Ich gehe vor zur 4-spurigen Straße und sehe sie, wie sie auf dem Randstreifen der Gegenspur grast, wie eine zu klein geratene Holsteinkuh. Sie sieht mich wedelnd an, aber zurück kommt sie nicht. Auf dem Grasstreifen steht in der Kuhle etwas Wasser und die Kleine ist ja wasserscheu. Also steige ich in meinen Flipflops durch das hohe, nasse Gras. Das sieht sie als Spiel und springt erstmal zwanzig Meter weiter. Ich hab so einen Hals ?- aber schließlich nehme ich sie Huckepack mit zurück. Zum x-ten Mal schimpfe ich sie aus, was sie nicht sehr beeindruckt. Endlich sind wir abfahrbereit. Weitere 600km liegen vor uns. Am Vormittag arbeitet die Klimaanlage noch einigermaßen, aber am Nachmittag ist die Situation, wie vor der Reparatur. Im Fahrerhaus ist es so warm, daß sich der Kühlstrom direkt nach dem Austritt in einen Fön verwandelt. Also lässig den Arm zum Fenster raushängen lassen und weiterfahren. Später wird sich herausstellen, daß das ein Fehler war. Zweihundert Kilometer vor Bogota beginne ich mit der Suche nach dem Übernachtungsplatz. Das Angebot ist mager. Ich wähle den Camping(Piscina) El Bosque, welcher sich ungefähr 50km von der Route entfernt befindet. Nach dem Abzweig fahren wir durch einen malerischen Cañon, der sich im Abendlicht von seiner schönsten Seite zeigt. Dann geht es auf einem schmalen Sträßchen in die Berge. Nach einer halben Stunde haben wir den Platz erreicht, der eigentlich ein Schwimmbad ist. Das Tor ist verschlossen. Der Nachbar gegenüber sitzt mit der Familie beim Grillen im Garten. Als ich ihn frage, ob der El Bosque Camping geschlossen hat, meint er, ich soll probieren das Tor zu öffnen; es müßte jemand da sein. Wenn nicht, könnte ich in seiner Einfahrt parken und übernachten. Mit so einem großzügigen Angebot habe ich überhaupt nicht gerechnet. Auch nach mehrmaligen Hupen zeigt sich niemand. Ich lasse das GPS neu rechnen und sehe, daß es doch noch 160km nach Bogota sind. Ich gehe rüber zum freundlichen Nachbarn und danke ihm für seine großzügige Einladung und erkläre ihm, daß ich lieber noch etwas näher an mein Endziel fahren möchte, um morgen früh bei BLU Logistics zu sein, wo sich mein Getriebe befinden sollte. Dafür hat er Verständnis und wünscht mir für morgen viel Glück. Zurück auf der „45A “ sehe ich nach eineinhalb Stunden bei der Bergfahrt einen Truckstop mit Restaurant – für heute reicht’s.

Montag Morgen 17.07.2017 Restaurant und Truckstop an der „45A“ 42km vor Bogota
Montag Abend 17.07.2017 La Huerta Camping Guatavita

Gestern Abend habe ich mit dem Besitzer des Rastplatzes den Preis inklusiv Duschen ausgehandelt. Als ich vom Duschen zurückkomme, sagt mir der Platzwart, daß das 3000 Pesos extra kostet. Ich erwidere ihm nur ein kurzes „mas tarde“, was „später“ bedeutet. Als ich zusammengeräumt habe und fast abfahrbereit bin, läuft der Besitzer mit seinen Kindern vorbei. Ich frage ihn, ob ich für das Duschen nachzahlen muss. Er winkt ab und meint:“Tranquilo“ – auch recht. Kurz vor acht bin ich bei BLU Logistics. Der Schrankenwärter fragt mich nach einem Termin oder Frachtpapieren. Ich gebe ihm die Unterlagen, welche ich mit Hernando ausgefüllt habe. Er kommt zurück und meint, er findet dazu keinen Vorgang. Ich schildere ihm, daß mein Getriebe aus Deutschland schon drei Wochen hier am Lager ist. Er geht zurück in sein Häuschen und telefoniert erneut. Zuvor winkt er mich durch die Schranke, ich solle den Weg frei machen und mich rechts auf die Seite stellen. Das mache ich sofort. Als er zurückkommt und immer noch keine Auskunft hat, was er mit mir anfangen soll, sagt er mir, ich solle umdrehen und das Gelände verlassen. Als ich merke, daß man mich loshaben will, werde ich sauer. Ich sage ihm klipp und klar, daß hier bleibe bis ich mein Getriebe bekomme und zwar heute.

Drei Wochen hat man mich jetzt hängen lassen – jetzt reicht’s. Als er die Polizei erwähnt, zucke ich unbeeindruckt die Schultern – ich werde dann die Deutsche Botschaft zur Klärung hinzu bitten. Nachdem er sich noch mit 2 weiteren, wichtigen Menschen beraten hat, teilt er mir mit, daß der Supervisor von BLU Logistics auf dem Weg hierher wäre. Na also – geht doch. Mein Hinweis auf den Namen der Sachbearbeiterin bringt den Herrn aber nicht weiter; er kann damit nichts anfangen. Er verweist mich an eine Hotline von Fedex. Ich rufe diese auch an. Dreimal falle ich aus der Leitung. Nachdem ich meine Geschichte zum vierten Mal erzählt habe, sagt man mir, daß man ohne Trackingnummer nichts anfangen kann. Ich erreiche Hernando am Handy, er hat die Nummer zur Hand. Nun kommt der Supervisor erneut vorbei und sagt, dass ich damit zu Fedex ins DIAN-Gebäude in Bogota muss. Als ich vom Hof fahre, ist mir klar, daß ich meinem Getriebe keinen Schritt näher gekommen bin. Leider habe ich im GPS das falsche DIAN-Gebäude erwischt. Das sagt mir ein netter, älterer Herr am Eingang, welcher gerade herauskommt. Er erklärt mir den Weg mit mehreren Abzweigungen zur Stadtautobahn und welche Abfahrt ich nehmen muß, aber eigentlich will ich aufgeben. Mir fällt ein, dass wir vor Jahren in Paris ein Taxi als Stadtführer benutzt haben, um unser Hotel zu finden. Wir sind diesem mit unserem Auto gefolgt. Genau das mache ich nun in Bogota. Eine halbe Stunde später stehe ich auf einem Parkplatz am El Dorado Aeropuerto. Nach einiger Zeit finde ich auch das FedEx-Gebäude, welches sich ganz am Ende des Komplexes befindet. Bei FedEx erklärt man mir, dass ich nicht berechtigt bin, „mein“ Getriebe hier auszulösen, da nur Iguana 4×4 als Einführender auf den Frachtpapieren eingetragen ist. Ich bräuchte eine eidesstattliche, notariell beglaubigte, Ermächtigung von Hernando Guttierrez de Piñeres. Ich telefoniere mit Hernando. Der BLU-Sachbearbeiterin hat er den Wechsel schon vor Tagen angegeben. Er will das Schreiben gleich fertig machen und an die FedEx-Dame schicken. Diese hätte die Sache aber lieber kompliziert. Sie besteht auf dem Original per Postweg. Gottseidank ist zwischenzeitlich ihr Vorgesetzer dazugekommen, der meine schlankere Version abnickt. Das hätte die Geschichte mindestens eine weitere Woche verzögert. Nachdem das Schreiben von Hernando eingetroffen und eine Kopie meines Reisepasses angeheftet ist, soll ich mich einen Stock höher bei BLU melden. Eine weitere „Supervisorin“ schreibt mir den Namen und zwei Telefonnummern der zukünftigen Sachbearbeiterin auf einen Zettel. Aber auch diese, wie schon die Erste ist ausser Haus. Draußen vor dem Bürogebäude wähle ich beide Nummern – nur der Anrufbeantworter meldet sich. Ich habe genug von dem Affentheater und mach mich vom Acker. Lizzy wartet geduldig im Gritli. Nun ist es nachmittags um drei. Ich entscheide mich für La Huerta Camping in Guatavita, als Übernachtungsplatz, wo ich mich vor 3 Wochen sehr wohl gefühlt habe. Wieder werde ich freundlch mit einem Kräutertee begrüßt, kann meinen Strom anschließen und mich endlich zurücklehnen.

Dienstag 18.07.2017 La Huerta Camping Guatavita

Heute schlafen wir etwas länger. Um sieben drehe ich mich für ein weiteres Stündchen um. Vor dem Zurücklehnen habe ich gestern noch einen Risotto zubereitet, sodaß ich mich heute nicht ums Kochen kümmern muß. Aber Lizzy ist hungrig und will mehr davon. Da es hier in den Bergen immer wieder nieselt oder regnet, verbringe ich den frühen Nachmittag mit Blog schreiben und lesen. Außerdem habe ich heute 16 mal versucht die Sachbearbeiterin bei BLU zu erreichen; beim 17 Mal nimmt ihr Chef ab. Tatsächlich übergibt er das Handy an seine Mitarbeiterin. Ihr muß ich zum x-ten Mal meine Geschichte erzählen und natürlich braucht auch sie die Trackingnummer. Sie wird mich dann zurückrufen, wenn sie Neuigkeiten hat. Ein Fahrzeug fährt auf den Platz. Als ich mich umdrehe, sehe ich das Toyota-Buschtaxi von Ueli und Myrta aus Binningen/ BL. Wir haben uns am Lago Atitlan/ Guatemala auf Pierre’s Campingplatz kennengelernt. Sie sind von dort nach Veracruz um ihren Sohn zu treffen und anschließend für 3 Wochen heim zu fliegen; dann haben sie von Veracruz nach Cartagena verschifft und sind nun auch schon wieder ein paar Wochen in Kolumbien. Ein freudiges Wiedersehen. Leider bin ich noch sehr mit meiner Getriebesache beschäftigt und nicht jeder mag sich gleich mit Problemen Anderer konfrontiert sehen. Da Lizzy die zweite Portion des Risottos verschlungen hat, koche ich für heute Pesto-Spaghetti. Anschließend gehe ich zu Myrta und Ueli zu einem Erlebnis-Austausch. Sie wollen morgen nach Bogota ins Goldmuseum. Ich muß mit Lizzy zum Fädenziehen; außerdem will ich sie nun endlich impfen lassen.

Mittwoch Morgen 19.07.2017 Clinica Veterinaria Dover in Bogota
Mittwoch Abend 19.07.2017 La Huerta Camping Guatavita

Nach dem Duschen und dem Frühstück finde ich mit meinem OsMond Navigationssystems den „nächstgelegenen“ Tierarzt. Dies ist die 42 km entfernte Clinica Veterinaria Dover in Bogota. Heidi, die Tochter des Hauses, die Hund und Katze des Platzes versorgt, empfiehlt die Klinik. Ich biete Ueli und Myrta an, in der Kabine mitzufahren, was sie dankend annehmen. Sie werden sich dann in Bogota ein Taxi zum Goldmuseum nehmen. Die Fahrt in Richtung Bogota über die Berge geht trotz zahlreicher Baustellen zügig voran. Als ich von einem Aussichtspunkt bei der Talfahrt die Hochhäuser Bogotas sehe, halte ich an, um den Mirador als Ziel für die Rückfahrt einzugeben. Von hier sind es nur noch ein paar Minuten bis zum eigentlichen Ziel. Zwei Platzanweiser kümmern sich in der Straße um Parkplätze für die Klinikbesucher. Myrta und Ueli wollen ihre Rückkehr zum La Huerta Camping mit Taxi und Bus organisieren. Nachdem ich geparkt habe, gehe ich ohne Lizzy zur Anmeldung. Nach dem Ausfüllen des Formulares hole ich die kleine Hundedame herein. Schon bald kommt die Tierärztin zum Gespräch und ich erzähle ihr, daß außer dem Fädenziehen auch die Erstimpfung ansteht. Nach der Eingangsuntersuchung muß Lizzy für weitere Tests eine Stunde dableiben. Ich nutze diese Zeit, um im Internetcafe in der Straße meine Emails abzurufen. Dieter schickt Grüße. Außerdem gelingt es mir den von Hernando empfohlenen Automechaniker zu erreichen. Er ist bereit die Arbeit auszuführen. Ich wünsche ein Angebot und werde nächste Woche, deswegen(oder vielleicht schon mit dem Getriebe???) bei ihm vorbeischauen. Somit hat sich der Tag eigentlich schon gelohnt, auch weil ich die BLU-Sachbearbeiterin erreicht habe. Trotz Trackingnummer hat sie aber keine Neuigkeiten für mich, will sich aber melden, wenn diese eintreffen. Kann man mehr erwarten? Nach der Stunde kann ich Lizzy in Empfang nehmen. Der Verkehr hat massiv zugenommen. Schon bis zum Mirador brauche ich eine halbe Stunde. An einem modernen Carulla(Exito)-Supermercado halte ich und kaufe Lebensmittel ein. Die Baustellen, welche heute morgen gut zu passieren waren, sind nun mit Autoschlangen belegt. Erst um zwanzig nach drei bin ich zurück am Campingplatz. Lizzy hat an dem weißen Hasen einen Narren gefressen. Durch das Gitter des Chüngelstalls schmusen sie sogar zusammen. Die Tochter fragt mich, ob beim Tierarzt alles geklappt hat. Als ich die Narbe an Lizzys Bauch abfühle, merke ich, daß man vergessen hat, die Fäden zu ziehen. Heidi bietet sich an das zu tun, was ich dankbar annehme. Als Ueli und Myrta um fünf ankommen, erzählen sie mir, daß sie um drei im Bus saßen – also ist es auch ihnen nicht besser ergangen. Ich habe mich zwischenzeitlich an das Schreiben des Blogs gemacht- ich muß den gestrigen Tag verarbeiten. Ich teile mir mit Lizzy den Spaghetti-Rest von gestern. Später mache ich mir noch zwei Hotdog-Brötchen mit Wienerli und Baguette. Die Kleine bekommt Naßfutter, welches ich im Petshop der Klinik mitgenommen habe. Trotz der Nachtkühle will sie im Pickup schlafen.

Donnerstag 20.07.2017 La Huerta Camping Guatavita

Ueli und Myrta reisen heute weiter. Sie wollen ein Salzbergwerk besichtigen und anschließend die Kaffeeregion Nordkolumbiens erkunden. Gegen zehn Uhr verabschieden wir uns und wünschen uns gegenseitig einen weiteren glücklichen Reiseverlauf. Heute ist Feiertag in Kolumbien; man feiert den Tag der Unabhängigkeit. Mit einem Anruf von BLU muß ich heute also nicht rechnen. Den Tag verbringe ich mit Blog schreiben und Ballspielen mit Lizzy. Gestern habe ich schönes Gulaschfleisch eingekauft. Gegen vier Uhr fange ich an zu kochen. Zum Paprikagulasch gibt es Reis. Für Lizzy gibt es vorerst nur Trockenfutter. Sie hat vor einer halben Stunde den niedlichen Hasen durchs Gehege gejagt, nach ihm geschnappt und fast erwischt. Nach der erzieherischen Maßnahme ist Funkstille. Nach dem Abendessen mache ich mir schon bald das Bett und lese. Das lustige Buch heitert mich nach dem Frust mit Lizzy wieder auf.

Freitag 21.07.2017 La Huerta Camping Guatavita

Der Sohn der Campingplatz-Familie hilft mir bei der Suche nach der Adresse des Mechanikshops von Rafael Torres. Am Telefon hatte ich verstanden, daß er heute dort anzutreffen sei. Die Strecke nach Bogota ist dieselbe wie gestern. Schon bald habe ich das Haus in einem Wohnviertel gefunden. Frau Torres sitzt beim Nähen am Küchenfenster und gibt mir das Zeichen, daß sie an die Tür kommt. Leider habe ich ihren Sohn falsch verstanden – er wird erst am Montag zurück sein. Aber sie telefoniert mit ihm und schildert ihm mein Anliegen. Um ein konkretes Angebot abgeben zu können, müßte er sich mein Fahrzeug ansehen. Wir vereinbaren, daß ich am Montag gegen zehn nochmals wieder komme. Mit der BLU Sachbearbeiterin habe ich weniger Glück. Eine ihrer Kolleginnen nimmt das Handy nach endlosem Warten und mehrfachen Versuchen ab. Ihre Kollegin wird mich zurückrufen, ist die lapidare Antwort. Dazu bräuchte sie aber dringend meine Handy- und „TRACKINGNUMMER“.? Auf der Fahrt zur Familie Torres bin ich an einem McDonalds vorbeigekommen – Gelegenheit meine Emails zu empfangen. Mein Schwesterherz hat geschrieben; ausserdem bittet mich Andrea um WhatsApp-Rückruf. Sie kann es nicht glauben, daß ich immer noch meinem Getriebe hinterher renne und meint ich soll mein Anliegen bei der Deutschen Botschaft vorbringen und um Unterstützung bitten. Ja, sie hat recht. Jetzt ist die Zeit reif, dies zu tun. Ich google die Telefonnummer und habe ein weiteres Mal Glück ?. Eigentlich sind die Mitarbeiter seit einer Viertelstunde im Wochenende – es ist Viertel nach eins – aber eine freundliche Dame, der ich meine Probleme sogar auf deutsch mitteilen kann, nimmt das Gespräch entgegen. Sie bittet mich, sie gleich am Montag um Viertel nach sieben nochmals anzurufen. Zu der Zeit werden die Aktivitäten des Tages koordiniert und man könnte mein Anliegen gleich einbeziehen. Sie gibt mir ihre Durchwahl und verabschiedet sich freundlich, nicht ohne mir Mut zu machen. Eineinhalb Stunden benötige ich zurück nach Guatavita. Beim Kaffeetrinken und Lesen wird es auch schon bald dunkel.


Lizzy war heute wie ausgewechselt?.

Samstag und Sonntag, 22./23.07.2017 La Huerta Camping Guatavita

An diesem Wochenende versuche ich einfach den Tag zu geniessen. Spiele mit Lizzy, trinke Café, lese und „loss d’Herrgott e guede Ma si“. Am Sonntag Abend freue ich mich über mein gutes Abschiedsessen vom La Huerta Campingplatz.





Für morgen ist die Vorgabe klar. Auch wenn wider Erwarten noch ein Kontakt mit BLU zustande kommen sollte, werde ich die Deutsche Botschaft um Unterstützung bitten.

Lizzy hat am Nachmittag zur Aufregung aller den weißen Hasen von Heidi durchs Gehege gejagt. Aber man nimmt es ihr nicht übel; sie ist halt „un boco loca“. Hugo, seine Frau, Heidi und ihr Bruder Arnold sind ein super Team.

Playas de Bocatocino, Iguana 4×4 Baranquilla

Montag Morgen 10.07.2017 Playas de Bocatocino
Montag Abend 10.07.2017 Iguana 4×4 Baranquilla

Schon um halb fünf stehe ich auf. Um acht wollen wir bei Autoelektrik die Ersten sein. Der Fehler ist schnell gefunden. Das Auslassventil ist defekt. Der Austausch und das Auffüllen des Frikogens wird nicht berechnet. Ich hoffe wirklich, dass das alles war. Bei 35° ohne wirksame Klimaanlage unterwegs zu sein, kommt der Höchststrafe gleich. Anschließend fahren wir zu 360° Carwash, welcher sich in der Parallelstrasse zu Iguana befindet. Der Chef wird per Telefon nach dem Preis gefragt, welchen er anhand des Kamerazugriffs bestimmt. 50000 COP sollen es sein. Zwischenzeitlich gehe ich zu Hernando um seine Klimaanlage zu genießen. Nachdem ich S’Gritli abgeholt habe, stelle ich fest, daß meine Gummifussmatten fehlen. Man hat vergessen, sie nach dem Waschen wieder reinzulegen. Am Gritli passiert diesen Nachmittag nichts mehr. Morgen ist ja schließlich auch noch ein Tag.

Dienstag 11.07.2017 Iguana 4×4 Baranquilla

Erst gegen Mittag kommen die Räder runter. An der Reifenmaschine fehlt das nötige Werkzeug. – Kein Problem – ein Motorradfahrer wird losgeschickt, um das Teil zu besorgen. Ich gehe dem Mechaniker an der Reifenmaschine zur Hand. Keine gute Idee, der Mann fühlt sich getrieben. Nach 2 Stunden Gewürge sind die Gummis dann unten. Ich reinige die Felgen von den Gewichten und der abblätternden Farbe und ziehe mich ins S’Gritli zurück. Anschließend gehe ich die Straße hinunter zu dem großen Olimpica-Supermercado und decke mich mit Nahrung und Getränken ein. Für Laureano, die Nachtwache, bringe ich die obligatorische Flasche Cola mit.

Mittwoch 12.07.2017 Iguana 4×4 Baranquilla

Nach dem Frühstück gehe ich mit Laureano shoppen. Ich bin auf der Suche nach kurzen Sporthosen, welche ich dringend benötige. Zuvor lassen wir in einer Ferreteria zwei Reserveschlüssel fürs Gritli anfertigen. Als Zündschlüssel sind sie nicht geeignet, da ihnen der Wegfahrsperren-Chip fehlt, aber im Fall, daß ich den Schlüssel im Auto vergesse, kann ich wenigstens die Türe öffnen. Bei den Sporthosen werden wir nicht fündig- das was man mir anbietet sind alles Shorts ohne Innenslip. Auf dem Weg zurück kaufen wir 18 Liter Trinkwasser in 6 Literbeuteln. Laureano lässt es sich nicht nehmen, zwei der Beutel zu Iguana zu tragen. Er bietet sich auch an, morgen mit mir ins Zentrum zu fahren, um nochmal nach den Sporthosen zu schauen. Er ist wirklich eine gute Seele.

Donnerstag 13.07.2017 Iguana 4×4 Baranquilla

Laureano macht heute sein Versprechen wahr und fährt mit mir mit dem Bus in die Stadt. Zielsicher findet er die Sportgeschäfte. Anschließend gönnen wir uns ein gemeinsames Frühstück in einem Restaurant. Wir wählen das übliche Desayuno: Rührei mit Tomaten und Zwiebeln, dazu einen Milchkaffee.
An der Plaza mit dem großen Simon Bolivar Denkmal schießen wir noch zwei Eriä
nnerungsfotos


Anschließend finden ich zwei ärmellose Funktions-Tshirts. In der Hitze sind sie die beste Wahl, da man sie kurzerhand abends unter der Dusche auswaschen kann. Zurück bei Iguana schauen wir beim Lackierer vorbei, welcher meine Felgen in Bearbeitung hat. Er meint, daß er morgen mit Ablaugen, Schleifen und Grundieren fertig sein kann?!


Als ich im Iguana-Verkaufsraum meine Emails überprüfe, sagt mir Hernando, daß er von der Dame von FedEx eine Nachricht bekommen hat und daß ein weiteres Formular nachzureichen wäre. Gleichzeitig empfiehlt er mir, selbst nach Bogota zu fahren und die Sache vorort zu regeln. Ich habe mir darüber auch schon Gedanken gemacht und bin einverstanden. Länger will ich hier nicht warten. Spätestens am Samstag sollen meine Räder wieder montiert sein; dann werde ich Kurs auf Bogota nehmen und versuchen mein Glück zu zwingen.

Freitag 14.07.2017 Iguana 4×4 Baranquilla

Heute sollen die Felgen abgelaugt, geschliffen und grundiert zurück kommen. Gegen zehn trifft der Lackierer ein und macht sich an die Arbeit der Endbeschichtung. Kurz vor zwölf hat er die Felgen und die Heckstoßstange mit dem Würth-Bedliner fertig gespritzt. Das Ergebnis ist super! Die Felgen sehen aus wie neu und die rauhe, schwarze Oberfläche gibt den Rädern einen hochwertigen Touch.

Für dieses Geld, etwa 78 €(für 4 Räder!), wäre das in Deutschland nicht möglich gewesen. Die Stoßstange wird heute noch montiert; mit der Reifenmontage warten wir noch bis morgen um Beschädigungen zu vermeiden. Anschließend werde ich meine Siebensachen zusammenpacken und mich auf die zweitägige Reise nach Bogota machen. Insgesamt sind es mehr als neunhundert Kilometer – zuviel für einen Tag! Den Übernachtungsplatz werde ich nach halber Distanz aussuchen. Ich bin froh, mich hier nach einem guten Tag zu verabschieden.

Iguana 4×4 Baranquilla, Playas de Bocatocino

Samstag Morgen 08.07.2017 Iguana 4×4 Baranquilla
Samstag Abend 08.07.2017 Playas Bocatocino

Um sechs stehe ich auf und gehe duschen. Lizzy hat draußen in der Werkstatt geschlafen, ist aber schon munter. Heute geht’s weiter mit meinen Bremsen. Um acht macht sich der Motorradkurier auf den Weg, um die beiden Bremskolben zu besorgen. Gegen zehn ist er zurück. Ich habe in der Zwischenzeit begonnen mein Ratatouille zu kochen. Gerade habe ich die Koteletts in der Pfanne, als Hernando vorbeiläuft. Ich frage ihn, wie lange daß es noch dauert. Er meint in einer halben Stunde ist alles erledigt. Das bedeutet, daß ich schnellstens meine Küche aufräumen muß, damit man noch eine abschließende Probefahrt machen kann. Ich bezahle die Rechnung für den Ölwechsel und die Instandsetzung der Bremsanlage. Der rechte Bremssattel hat doch recht viel Arbeit gemacht. Aber mit Sachverstand und Einsatz hat das Iguana 4×4-Team die Aufgabe bewältigt und dies zu einem überaus fairen Preis. Ich bezahle mit Visakarte und mache mich auf den Weg nach Bocatocino. Hernando hat mir diesen Platz als ausgesprochen sicher empfohlen. Als ich hier ankomme und durch den kleinen Ort fahre, winkt man mir freundlich zu. In der engen Zufahrt zum Strand steht ein Fahrzeug abfahrbereit. Die ältere Dame auf dem Beifahrersitz winkt mich freundlich durch. Beim Aussteigen frage ich, ob es erlaubt ist, hier zu campen. Claro – ist die prompte Antwort.
Also richte ich mich gleich ein und gehe mit Lizzy den Strand erkunden. Ich habe noch nie einen Strand mit soviel Treibholz oder(schlimmer) Müll gesehen.




Aber die Lage dicht bei den Sandsteinfelsen, welche die weitläufige Bucht auf der einen Seite begrenzen ist sehr schön. Der Atlantik fährt hier mit einer starken Brandung an den Sandstrand. Das Wasser ist braun, was auf eine starke Unterströmung schließen läßt; also nicht gerade fürs Baden empfohlen. Nach einer halben Stunde kommt ein Einheimischer vorbei und bittet mich um Starthilfe. Ich mache ihm klar, daß ich mit ausgefahrenem Hubdach nicht einfach losfahren kann, biete ihm aber an, ihm mein Starthilfekabel auszuleihen. Damit ist er zufrieden und sichert mir zu, das Kabel nach Gebrauch gleich zurückzubringen. Das tut er auch und bedankt sich. Natürlich ist er neugierig und möchte gerne mal ins Gritli schauen. Heute Abend ist schnell gekocht. Ich muß nur noch die Nudeln zubereiten – Fleisch und Ratatouille muß ich ja nur aufwärmen. Das Geschirr wasche ich heute nicht mehr. Noch ein paar Seiten lesen, dann wird das Bett gemacht und geschlafen. Lizzy muß ich eindringlich bitten rein zu kommen. Anscheinend glaubt sie, sie würde am Strand noch etwas verpassen.

Sonntag 09.07.2017 Playas de Bocatocino

Um halb sieben weckt uns der neue Tag. Zum Frühstück gibt es Baguette mit Nutella. Später kommt eine ältere Dame mit ihrem Enkel zum Strand. Als ich sie grüße, kommt sie näher und bietet mir eine reife Wassermelone an. Diese nehme ich gerne und frage sie, was sie kosten soll. Sie erklärt mir, daß das ein Geschenk sei und nichts kostet. Ich bin total überrascht und bedanke mich. Die Leute hier sind wirklich lieb und gastfreundlich.


Später kommen zwei Buben vorbei und stellen Fragen zum Gritli und wo ich her bin. Sie sind an allem interessiert und wollen gar nicht mehr weg. Ich wollte mir aber gerade Schinkennudeln braten, sodaß ich sie nach eine halben Stunde mit einer halben Toblerone rauskomplimentiere. Am Nachmittag kommen sie dann zum zweiten Besuch und bringen noch einen Kollegen mit. Wieder nehme ich mir Zeit und erkläre Ihnen S’Gritli bis ins Detail; nach einer weiteren halben Stunde verabschiede ich sie mit ein paar Münzen und einem Kugelschreiber. Eigentlich wollte ich meinen Blog schreiben; jetzt sitze ich hier im Dunkeln(die Solaranlage ist wieder ausgestiegen?) und die Tastatur spielt verrückt. Für heute reicht’s!

Hostel Sierraventura Taganga Santa Marta, Iguana 4×4 Baranquilla

Mittwoch 05.07.2017 Hostel Sierraventura Taganga

Ich habe nicht sehr gut geschlafen. Mosquitos haben mich die ganze Nacht belästigt. Lizzy hat vor einigen Tagen das Insektengitter der Türe eingedrückt und da scheinen sich einige der Plagegeister eingeschlichen zu haben. Für heute habe ich den festen Vorsatz, das zu reparieren. Außerdem klappert die Heizungsabdeckung seit Wochen; auch das soll heute erledigt werden. Als ich Steffi davon erzähle, fällt ihr ein, daß sie gestern beim Wohnmobil aus- und einräumen ein Mosquitogitter entsorgt hat, welches sie für den Fall der Fälle in Reserve hatten. Sie hat es gleich wieder gefunden, sodaß meiner Reperatur nichts mehr im Wege steht. Die Mrotzeks gehen heute mit den Kindern ein letztes Mal zum Tauchen.

Am Nachmittag wollen sie sich auf den Weg nach Cartagena machen. Bei einer 5-köpfigen Familie läßt sich der Abreisetermin nicht genau festlegen. Speziell die Kinder haben Mühe ihre Siebensachen zusammenzusuchen. Wohl auch weil es ihnen schwerfällt, da ihre schöne Reise ja bald vorbei ist. Lizzy bekommt noch unzählige Streichler, aber irgendwann ist es halt doch soweit.
Gestern habe ich mehrmals versucht Hernando von Iguana 4×4 zu erreichen. – Ohne Erfolg. Auch heute will es nicht klappen. Es wird mir wohl nichts anderes übrigbleiben als morgen aufs Geradewohl nach Baranquilla zu fahren.

Donnerstag Morgen 06.07.2017 Hostel Sierraventura Taganga
Donnerstag Abend 06.07.2017 Iguana 4×4 Baranquilla

Um neun bin ich abfahrbereit. Auch Lizzy muß sich losreißen. Sie konnte sich hier im Hostel vollkommen frei bewegen. Paula, die tierliebende Angestellte hat mir hier viel geholfen. Sie hat Lizzy den Termin beim Veterinär besorgt und hat immer die Futter- und Wassernäpfe der Pflegehunde aufgefüllt. Lizzy hatte so etwas wie „Hundevollpension“. Die Fahrt durch Santa Marta ist chaotisch wie jedesmal, aber nachdem die Stadt erstmal hinter mir liegt, geht es zügig. Vor Baranquilla finde ich die iOverlander-Empfehlung Gasan; hier möchte ich meine Wynen-Gastankflaschen auffüllen lassen. Die Leute sind sehr freundlich und der zuständige Mann sehr engagiert. Er versucht alles, um einen entsprechenden Adapter aufzutreiben. Aber letztendlich muß er doch passen. Er empfiehlt mir, es auf meiner weiteren Fahrt in den Süden bei Gasan/Cartagena zu versuchen. Dort sei man besser eingerichtet und man könne mir bestimmt helfen. Also Kurs gesetzt auf Iguana 4×4 Baranquilla.
Ich habe mich richtig entschlossen. Hernando hilft mir beim Ausfüllen der benötigten Unterlagen. Unter anderem muß ich meine Unterschriften bei einem Notariat bestätigen lassen. Hernando ist sehr beschäftigt, da seine rechte Hand Ruwen wegen Krankheit ausfällt. 2 Schriftsätze muß ich zum Notariat in der Nachbarschaft bringen, um meine Unterschriften authentifizieren zu lassen. Nach einer halben Stunde bin ich zurück. Da Hernando aber einige Kunden im Laden hat, beschließen wir morgen daran weiter zu machen. Im Olimpica-Supermercado habe ich bei meiner Ankunft Hundefutter, Getränke und Zigaretten besorgt. Ich beziehe meinen Platz zwischen den Hebebühnensäulen und richte mich ein. Lizzy findet auf unserm letzten Übernachtungsplatz im Innenhof den Kauknochen, welchen ihr Joe geschenkt hatte. Die nächsten anderthalb Stunden ist sie versorgt. Anschließend erhält sie ein gulaschartiges Ragout aus der Dose mit dem sie sich sehr zufrieden zeigt. Um sechs kommt Laureano, unser Nightguard. Lizzy und er sind gute Freunde und er hat kein Problem, wenn die kleine heute Nacht in der luftigen Werkstatt schläft.

Freitag 07.07.2017 Iguana 4×4 Baranquilla

Die ganze Calle 76 ist eine Baustelle. Hier muß die Drainage, welche bis jetzt gar nicht existiert, in den Untergrund eingebaut werden. Das heißt alle Bürgersteige und Fahrbeläge werden weggespitzt und der Straßenaufbau inklusiv Entwässerung vollkommen neu aufgebaut. Das kann Jahre dauern und für die anliegenden Geschäfte ein Fiasko bedeuten. Auch heute hört man die ersten Baumaschinen um fünf Uhr früh. Es macht wenig Sinn liegen zu bleiben und vor dem Fenster freut sich die kleine Lizzy auf Gesellschaft. Heute werden am Gritli Arbeiten wie Ölwechsel, Bremsbeläge erneuern etc ausgeführt. Morgen werde ich dann auf einen Campingplatz wechseln. Die Trommelbremsen sind okay, aber die vorderen Scheibenbremsbelege sind nicht mehr existent. Bei der Demontage der Bremssättel stellt sich heraus, daß die Kolben festsitzen. Der Kolben der rechten Seite läßt sich nur lösen, in dem der Sattel aufgebohrt und der Kolben von hinten ausgepresst wird. Hernando wird morgen neue bestellen und auch das Dichtungsset ersetzen. Für die Beschichtung der Räder wird die Zeit nicht reichen. Nach Feierabend begrüße ich Laureano, den Nightguard. Er ist immer sehr redselig – leider verstehe ich ihn nur teilweise, den Rest versuche ich mir zusammen zu reimen. Nach dem Abendessen und der Dusche, verbringe ich den Abend mit Lesen. Lizzy hat ihr Los, sich den ganzen Tag mit sich selbst zu beschäftigen, mit Bravur erledigt. Schön, daß sie den Innenhof für sich alleine hat und sich mit der wandernden Sonne immer wieder ein schattiges Plätzchen suchen kann.

Hostel Sierraventura Taganga bei Santa Marta

Montag 03.07.2017 Hostel Sierraventura Taganga

Heute sind wir noch später aufgestanden. Lizzy weckt mich erst um acht.

Ich frühstücke heute im Hostel. Die Rühreier mit Tomaten und Zwiebeln sind bekanntermaßen gut. Lizzy ist auch heute wieder wählerisch und läßt ihre Portion stehen. Als sich einer der anderen Hunde drangetraut, wird sie zickig. Sie hat’s nicht so mit dem teilen. Sie nimmt lieber das Futter, welches Paula für die Findelhunde bereitstellt, aber an ihrem soll sich keiner gütlich tun. Paula konnte Lizzy’s Termin beim Veterinär für morgen um neun klarmachen. Sie bietet sich an, dem Taxifahrer morgen genau zu erklären, wo sich die EcoVet-Praxis befindet. Lizzy ist heute unleidlich und um Distanz bemüht. Wahrscheinlich merkt sie mir an, daß es bei den Gesprächen mit Paula um sie geht. Schwimmen und Lesen sind die Haupttätigkeiten des heutigen Tages. Natürlich will auch gekocht und der Abwasch erledigt sein. Um acht gehe ich mit der Kleinen ins S’Gritli, um sie zur Ruhe kommen zu lassen. Früh löschen wir das Licht, sodaß sie auch genug Schlaf vor der Operation bekommt.

Dienstag 04.07.2017 Hostel Sierraventura Taganga

Um fünf vor acht kommt das Taxi; ich bin überhaupt noch nicht bereit. Mit Verspätung fahren wir los und sind trotzdem pünktlich um neun in der Veterinärpraxis EcoVet. Im Eingang liegt schon ein Golden Retriever-Mädchen, welches kurz darauf die Narkosespritze erhält. Es verdreht die Augen und läßt die Zunge heraushängen. Der Hundepapi schaut etwas konsterniert. Bei Mirka sah das ähnlich aus, sodaß ich ihn in „reinstem Castellano-Spanish“ beruhigen kann: Esta es normal! Als dann aber Lizzy drankommt, bin ich auch schon etwas nervös. Nach der Spritze legt sie sich natürlich nicht hin – sie wackelt mit dem Hintern hin und her, bis schließlich die Hinterläufe einknicken. Dann drückt sie aber bald die Augen zu und wird von der Tierärztin und der MTA abgeholt. Nach einer dreiviertel Stunde bringt sie die Assistentin zurück. Die Augen hat sie schlitzweise schon wieder geöffnet, aber sie ist noch ziemlich ausgeknockt. Ich nehme sie auf den Schoß und quatsche mit ihr; aber das bekommt sie nicht wirklich mit. Der Taxifahrer, der mich am halb elf wieder abholen wollte, erscheint nicht, aber Oscar, der freundliche Koordinator bestellt mir ein anderes Taxi. Den Nachmittag verbringen wir im Innenhof des Hostels. Unglaublich, aber wahr! – Nach einer Stunde jagt Lizzy die Hauskatze durch die Gänge. Für heute Abend habe ich mit den Aachenern abgemacht, auswärts zu Abend zu essen. Sie fahren morgen nach Cartagena zurück, da dort ihre Südamerikareise enden wird. Sie werden das Wohnmobil verschiffen und den Flieger nach Hause nehmen. Schade. Ich hatte mich schon an die aufgeweckten Kinder und ihre sympathischen Eltern gewöhnt. Am Abend gehe ich dann mit Steffi und Matthias und Ihren Kindern Lukas, Charlotte und Amelie in einem netten Restaurant am Malecon zum Essen. Auf dem Weg dorthin sehen wir einen schwarzen Iguana mitten auf der Straße. Als ich ihn fotografiere, möchte Amelie von ihm ein Nahportrait mit meinem iPhone machen. Das wird ihm dann doch etwas zu nah und er startet wie eine Rakete. Unglaublich – so krumme Beine und so schnell.


Auch ein holländischer Pickup-Camper in Gritli’s Gewichtsklasse will abgelichtet sein.

Anschließend gönnen wir Erwachsenen uns noch ein Bier auf der Bank beim Wohnmobil und genießen die kühle Abendbrise.