Howthorn Waterfalls Thunder Bay, 23. Juli 2016
Nach dem Frühstück holte ich mir am Camp-Office noch die Adresse des kanadischen Automobilclubs CAA. Wahrscheinlich würde ich heute von der Provinz Ontario nach Manitoba wechseln und mit Kartenmaterial für die weiteren Provinzen war ich unterversorgt. Seit gestern galt bereits Central anstatt Eastern Time; das heißt, es war jetzt wieder eine Stunde früher.
Thunder Bay machte von Osten her einen etwas nüchternen Eindruck. Man sah riesige Silos, deren Getreide in besseren Zeiten auf die zentrale Verschiffung von Thunder Bay Richtung Atlantik für die restliche Welt warteten. Aber gemäß Stefan Looses Reiseführer „Kanada, der Osten“ hat sich dieses Geschäft Richtung Pazifik verschoben. Ich habe Glück, daß das CAA-Büro am Samstag Vormittag geöffnet hat und ich rechtzeitig dort bin. Hier kann ich gratis 5 gute Straßenkarten für die weiteren Provinzen und Alaska entgegen nehmen. Carmen hatte für die Fahrt nach Kenora etwas mehr als 400 km berechnet. Diese gestaltete sich abwechslungsreicher, als am Tag zuvor. Mein Weg nordwestlich führte mich immer wieder an Orten mit finnischen Namen vorbei, welche sich hier als Flüchtlinge zur Zeit des russischen Zarenreiches niedergelassen hatten. Die Strecke führte auf dem Highway 17, welcher in Manitoba zur „1“ wird, an Städten wie „Upsala“ und solche mit unsag-/schreibbaren Namen vorbei. Hier kam ich immer wieder an Rastplätze mit schönen Seen. Auch durchfuhr ich ein Skigebiet, dessen Pisten schon wieder mit hohem Gras überzogen waren. Ich passierte die Städte Dryden und Vermillion Bay und geriet vor Kenora in ein Gewitter, welches mich auf dem Highway 1 weiter nach Whiteshell/Manitoba trieb.
Hier fand ich bei Sonnenschein den Campground Falcon Lake Beach, welcher angeblich WiFi-Abdeckung bietet. Ich möchte meine Beitragsentwürfe posten sowie Körper und Ausrüstung pflegen. Hier plane ich 3 Übernachtungen. Die Wäsche soll Zeit zum Trocknen haben.


Du machst ein Foto und schaust es Dir dann nochmal an und merkst, daß das Bild nichts mit der tatsächlichen Optik zu tun hat. 15 km vor Thunder Bay hatte ich dann genug und nahm den erstbesten, am Highway ausgeschilderten, Campingplatz. Nichts Schönes, aber günstig mit Gratis-Dusche – außerdem sollte es ja morgen früh weitergehen.

Ich dachte dann: naja, ich war noch nie in Salzburg, da kannst ich ja in Kanada mal den Salzburger Hof besuchen. Nach circa 5 km Fahrt über die Naturstrasse erreichte ich das Restaurant, welches bis 5 Uhr abends geschlossen hatte. Also streunte ich etwas über das Areal, immer wieder mal „Hallo“ rufend und fand schließlich im Hotelspeisesaal die Seniorchefin. Wir machten erstmal ein Schwätzchen auf englisch, da sie nach vielen Jahren Kanada wohl noch deutsch verstehen, aber nicht mehr reden konnte. Sie war mit ihrem Mann vor 51 Jahren von Zell am See nach Toronto ausgewandert. Er war ausgebildeter Holzmaschinist und man hatte ihm per Brief eine entsprechen Anstellung versprochen. Als die beiden jedoch ankamen, wollte man ihn mit anderen jungen Einwandererburschen zum Roden in ein Camp hunderte von Meilen entfernt in den kanadischen Busch schicken. Das ließ er nicht mit sich machen und so fanden die Beiden ihr Glück dann nach zahlreichen Umwegen auf ihrem eigenen „Salzburger Hof“ am Ufer des Lake Superior in Kanada. Er unterhielt außerdem noch 30 Cabins an unterschiedlichen Seen in Kanadas Wäldern, welche er selbst mit 2 eigenen Sportflugzeugen immer wieder anflog und die Kunden dort für eine Woche mit Proviant und Angelausrüstung absetzte. Leider war er vor einem Jahr verstorben. Die Zeit war bei dieser Unterhaltung so schnell vergangen, daß ich sie noch gar nicht nach einem Übernachtungsplatz gefragt hatte.
Ich fand eine Tischbank im Schatten eines Ahornbaumes. Also packte ich mein Ipad aus um meinen Reiseblog weiter zu schreiben. Dabei verging die Zeit im Flug. In einem Café, welches Espresso anpries, reichte es aber noch für einen Cappucino(mit Zimt?) im Garten bei strahlendem Sonnenschein. Hier sah ich beim Ablegen der 40-Meterjacht eines Amerikaners zu – ein Wahnsinnsteil!













